La pratique du secret - Vom Besprechen und Gesundbeten

In der Schweiz haben viele alte Traditionen überlebt - zum Teil sind sie durchaus vorchristlichen Ursprungs, oftmals wurden sie im Laufe der Zeit jedoch erfolgreich in die "neue" Religion übernommen. Gern will ich euch jene, die ich im Laufe der Zeit kennengelernt habe hier auf dem Blog genauer vorstellen.

Die erste dieser Tratitionen ist das Gesundbeten oder das Besprechen von Krankheiten. In der Romandie, also der frazösischsprachigen Schweiz, wird dies als la pratique du secret bezeichnet und jene, die es anwenden sind die faiseurs de secret was soviel heisst wie die Macher des Geheimnisses.

Auch andernorts in der Schweiz sind diese Traditionen bekannt, im Kanton Appenzell Innerrhoden zum Beispiel hilft das Gesundbeten fö Hitz und Brand - was soviel heisst wie es hilft bei Fieber, Entzündungen und Brandverletzungen. Doch nirgends scheint diese Tradition derart akzeptiert wie in der Romandie. Dort gibt es sogar Listen mit Telefonnummern in den Krankenhäusern und Heimen, geordnet nach dren Leiden, die die Gesundbeter behandeln können.

ABER WAS BEDEUTET DENN GESUNDBETEN UND BESPRECHEN GENAU? 
Die Liste der Volksmedizinischen Heilmethoden ist lang und können, obschon gleich oder ähnlich bezeichnet, zum Teil ziemlich voneinander abweichen. Fürs Heilen mit Hilfe von Worten gibt es daher wohl so viele Bezeichnungen, wie Praktiken selbst. Da wäre das Gesundbeten, das Böten, der Heilsegen, das Abbitten oder Abbeten und viele weitere, wie eben auch zum Beispiel das Secret, also das Geheimnis. Das Geheimnis heisst es im französischen deshalb, weil nicht jeder diese Sprüche kennt. Manche waren und sind noch immer der Meinung, dass sie möglichst geheim bleiben sollten um ihre Wirksamkeit nicht zu verlieren. Andere Wiederum geben ihre Sprüche gerne weiter, passen sie vielleicht sogar etwas an - da gibt es also durchaus Uneinigkeit unter den Heilenden.

Doch egal welcher Meinung sie schlussendlich sind, sie haben alle etwas gemeinsam, nämlich ihre Entschlossenheit und ihre Hingabe für das, was sie tun, denn das ist wohl der mitunter wichtigste Bestandteil des Heilsegens.Unsere Vorfahren trennten dabei auch nicht die Medizin der Heilstoffe wie zum Beispiel Heilpflanzen, Tinkturen oder Salben von der, der Spiritualität und Magie. Ja, damals herrschte noch ein magisch-spirituelles Weltbild und da gab es sehr wohl wirksame, wie auch weniger Wirksame Rituale um jemanden zu Heilen. Doch niemand wäre auf die Idee gekommen das eine vom anderen zu trennen, wie wir es heute mit der Schulmedizin und der Alternativmedizin tun.

Gerade die Macht der Worte durfte dabei nicht unterschätzt werden, denn das Gesprochenen birgt grosse (Heil-)Kraft. Das ist alles Mumpitz, meist du? Wie sollen Worte heilen können? Nun, was tut man denn, wenn sich eine Person schlecht fühlt, die uns nahe steht? Sprechen wir ihr etwa keinen Mut zu, damit sie sich besser fühlt? Hätten Worte keinen Einfluss auf unser Wohlbefinden, dann würden wir sie wohl kaum seit jahrtausenden nutzen. Und was ist, wenn dein Kind hinfällt und sich das Knie aufschürft? Erinnert es uns dann etwa nicht daran, dass wir die Stelle anblasen sollen, damit sie besser verheilt? Meine Mutter kannte da noch den Heilsegen, den sie mir damals vorgesungen hat, erst dann war alles wieder gut. Solche kleinen Heilrituale sind uralt und besitzen mehr Wirkung, als vielen bewusst ist - nicht umsonst hätten sie so lange überlebt.

Ich persönlich finde es ohnehin faszinierend, dass diese alten Bräuche bei uns in der Schweiz noch so beliebt sind und finde es schön, dass wir uns aus freien stücken für oder eben gegen diese Volksheilkundlichen Methoden entscheiden können. 

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