Vom Samichlaus und dem Geist der geweihten Nächte


Viele Geschichten und Sagen ranken sich um die Gestalt, die heutzutage nicht nur als Santa Claus, sondern auch als Weihnachtsmann, St. Nikolaus, Sinterklaas, Joulupukki und bei uns in der Schweiz vor allem als Samichlaus bekannt ist. Für einige ist er der edle Heilige aus Myra, für andere die Erinnerung an einen alten, heidnischen Gott - den Geist der Geweihten Nächte. Doch was ist dran an diesen Geschichten, was ist dran an der Behauptung die Christen hätten – einmal mehr – alles nur geklaut?

Mit Sicherheit kann man heute nur noch sagen, dass die Ursprünge der Nikolaus oder Weihnachtsmannes in vorchristlier Zeit zu suchen sind. Schon während Lebzeiten der Germanen, als der Winter noch vom Wüetisheer, dem Wilden Heer beherrscht wurde, brachten die Geister bei weitem nicht nur Schrecken, sondern auch Segen und Fruchtbarkeit übers Land und fürs kommende Jahr.

Damals eben in der Form dieser Winterstürme, die gerne mal durch den Kamin gefegt sind. Daher kommt übrigens auch der Glaube, dass der Weihnachtsmann durch den Schornstein kommt. Früher glaubte man nämlich, dass die Geister durch den Geistereingang, eben diesen Kamin ins Haus gelangten und den Bewohnern neuen Segen bringen würden.

Von Weihnachtsmännern, Rentieren und Nordischen Göttern

Was das Bild des Weihnachtsmannes mit dem Rentierschlitten angeht, diesen Brauch haben wir den Skandinaviern zu verdanken. Dort existiert nämlich schon seit alters her eine Gestalt, die dem Weihnachtsmann zum verwechseln ähnlich sieht. Dieser bärtige alte Mann, bekleidet mit einem langen, braunen Winterpelz und Kapuze fährt dort auf einem Rentierschlitten durchs Land und berteitet die Menschen mit Nüssen und Rute (als Segenssymbol) auf die lange Winterzeit vor.

Aber warum  gerade das Rentier? Ganz einfach, wie wir eben erfahren haben, stammt dieses Bild des Weihnachtsmannes in seinem Rentierschlitten aus dem nördlichen Europa, wo das Rentier nicht nur schon seit der letzten Eiszeit nachgewiesen ist, sondern damals auch die Nahrungs- und Versorgungsquelle Nummer eins war. Ohne hier allzu lange von Völkern wie den Samen (Eigenbezeichnung: Sami) und deren Kultur zu sprechen, will ich es in aller Kürze ausdrücken: Für die Völker im Norden waren die Rentiere heilig, ohne sie hätte es dort so gut wie kein Leben gegeben. Man kann sich demnach vorstellen, dass diese majestätischen Tiere eine höchst wichtige Rolle spielten, rein physisch, aber natürlich auch spirituell gesehen. Kein Wunder also, dass der Schamanenflug des Weihnachtsmannes nicht ohne sein heiliges Tier stattfinden konnte. Die moderne Form mit den Rentieren und ihren Namen, wie wir sie aus dem Amerikanischen Raum kennen, kam dann aber erst viel später hinzu.
 

Der Schweizer Samichlaus - ein Druide?

Allerdings kommt der Samichlaus bei uns in der Schweiz nicht durch den Schornstein und auch nicht im Rentierschlitten, sondern legt den braven Kindern etwas in den Stiefel, den man vor die Tür hängt, während Kinder, die nicht so brav waren leider nur eine Rute vorfinden. Witzigerweise hat diese Rute in ihrem Ursprung einen überhaupt nicht negativen Hintergrund, wie wir heute vielleicht vermuten würden, denn die Rute oder das Sinnbild der Rutenschläge bringt Lebensenergie, Fruchtbarkeit und Segen. Ursprünglich wurde eine solche Rute aus Birken- oder Haselnusszweigen gefertigt, da diese beiden nicht nur Lebensenergie, sondern auch Fruchtbarkeit und die Verbindung zwischen Dies- und Jensseits symbolisieren. Erst im Laufe der Zeit und mit der Christianisierung begann man die alten, heidnischen Glauben zu verteufeln und so wurde die Bedeutung der Rute von etwas anfänglich positivem zu etwas negativem umgedeutet.

Tatsächlich sollen Druiden früher in der Witnerzeit durchs Land gewandert sein und mit den von ihnen im Sommer gesammelten, getrockneten Beeren, Wurzeln und Heilkräutern von Haus zu Haus gezogen sein. Sie überbrachten nicht nur Nachrichten und Geschichten, sie segneten auch die Häuser und erhielten dafür oft Kost und Logie.

Nur mir dieser Erklärung scheint die Verbindung zum heutigen Nikolaus etwas weit hergeholt und leider können wir mittlerweile nicht mehr herausfinden, wie es in früheren Zeiten tatsächlich war. Wenn wir jedoch den Schweizerischen Ausdruck Samichlaus etwas genauer betrachten,, so könnte diese These am Ende gar nicht so verkehrt sein.


Zum Schweizerischen Wort Samichlaus:
... wenn man zumindest der volkskundlich-etymologischen Forschung vertraut. Das Wort „Sami“ kann hergeleitet werden vom früheren keltischen „Samonios“, in der Bedeutung der „unvergänglichen Seele“, und ein „Chlaus“ oder „Klaus“ ist der Bewohner einer Klause. Der Bezug zu den keltischen Druiden und Samonios ist offensichtlich. Der römische Schriftsteller Lucanus erzählt bereits im 1. Jahrhundert: „Die Druiden wohnten in den Tiefen der Wälder und zogen sich dorthin zurück, wo es keine andere Menschen-Seele gab.“ (Pharsalia I, 450).
Zitat aus Kurt Schnidrigs Sami-Niggi-Näggi (Link zum ganzen Text)


 Was am Ende zählt ...

Darüber wo denn nun genau die Ursprünge des Nikloaus oder Weihnachtsmanns liegen, lässt sich streiten. Doch wie so oft lässt sie sich die Wahrheit am am Ende vermutlich irgendwo dazwischen finden. Der heutige Chlaus ist weder alter, nordischer Gott noch Druide, aber eben auch kein erz-christlicher Bischof, wie viele glauben. Ist er deswegen weniger echt? Nein, ich glaube nicht, denn egal aus welchem Blickwinkel wir den Geist der Geweihten Näche betrachten, er symbolisiert den Segen der Götter und den dürfen wir wohl alle, unabhängig von Kultur und Religion, jeder auf seine ganz persönliche Weise dankbar annehmen.

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