Ein paar Gedanken zur Hexenverfolgung

Ein Geheimnis habe ich noch nie draus gemacht, dass ich sehr weltoffen aufgewachsen bin und auch zum Beispiel christliche Kirchen bes heute gerne mag, genauso wie manche der Bräuche und Geschichten aus der Bibel. Ich bin halt ganz einfach neugierig und  finde, dass wir viel Wertvolles aus diesem Wissen ziehen können, auch wenn wir, rein religiös, nicht in allen Punkten einverstanden sein mögen.

Und ja, viele der Gräueltaten welche unter christlichem Deckmantel vollzogen wurden/werden sind mir bekannt. Ebenso die nach wie vor frauenfeindliche Haltung der chrisltichen Institution, welche ich in keinster Weise kleinreden oder in Schutz nehmen möchte. Allerdings muss ich mal etwas richtigstellen, denn ich lese im Netz immer wieder Sprüche wie: „We are the daughters oft he witches you couldn’t burn“ also „wir sind die Töchter der Hexen, die ihr nicht verbrennen konntet“ und jedes Mal, wenn ich etwas in der Art lese, juckt es mich regelrecht unter den Fingern, denn es gibt ein völlig falsches Bild der modernen Hexen- und Heidenszene ab.

Auf der einen Seite finde ich diese Aussage insofern schön, dass sie einen gewissen Zusammenhalt unter Hexen/Heiden schüren soll. Ja, auch nach der Christianisierung gibt es noch beziehungsweise eher wieder Heiden und heute dürfen wir zum Glück auch offen danach leben. Mit dem oben erwähnten Satz habe ich dennoch meine Mühe denn:

  1. Es gibt keine ungebrochene Hexenlinie seit den Hexenverfolgungen im späten Mittelalter, auch wenn manche das nach wie vor gerne behaupten.
  2. Es ist schon lange erwiesen, dass die auf den Scheiterhaufen vermeintlich verbrannten Hexen, keine richtigen Hexen, bzw. Heiden waren, sondern Menschen jeglicher couleur, die zu Sündenböcken gemacht wurden. Da waren Behinderte, Homosexuelle, Rebellierende dabei aber auch der Nachbar, der einem nicht in den Kram passte. Übrigens konnte man fürs Verpfeifen seiner Mitmenschen eine ganz schöne Summe abkassieren. Na, wenn da nicht der eine oder andere aus der Nachbarschaft der Hexerei bezichtigt wurde um ihn los zu werden und sich im gleichen Zug etwas dazu zu verdienen. Echte Heiden und Hexen, waren da aber wohl kaum mehr dabei nach so vielen Jahren der Christianisierung.

Warum berufen sich manche dennoch darauf?

Trotzdem wird diese Verbindung immer wieder gerne gemacht. Wir, die Nachfahrinnen der damals so brutal hingerichteten Hexen. Versteht mich nicht falsch, das macht diese Gräueltaten keineswegs schöner, und ja, auch Diskriminierung "anderer" Religionen gibt es leider nach wie vor. Nur die tapferen Hexenvorfahren, von denen wir behaupten sie hätten damals unter Folter bis in den Tod heroisch ihren heidnischen Glauben vertreten, waren es wohl kaum, die da derart unwürdig behandelt wurden.

Warum also ist dieses Bild dennoch so präsent? Ich denke es ist, weil wir es uns insgeheim wünschen, dass unsere Vorfahren todesmutig für ihren Glauben, vor allem aber auch für ihre Nachkommen, also uns,  gekämpft haben. Schliesslich trägt das ein heroisches Flair mit sich. Ausserdem ist es ein schönes Gefühl sich in eine Reihe „uralter“ Ahnen zu stellen – das vermittelt Sicherheit und eine Art Gruppengefühl, nicht zu vergessen Bestätigung, dass das, was man tut auch seine Berechtigung hat.

Das das in Wahrheit kompletter Blödsinn ist brauche ich wohl nicht zu sagen, oder vielleicht doch? In einem früheren Blogpost habe ich zumindest schon mal ausgiebig darüber geschrieben, weshalb es nicht wichtig ist ob wir einer ungebrochenen Traditionslinie folgen oder nicht.

Ich bin absolut dafür, dass wir aus solch brutalen Machenschaften lernen, damit sie hoffentlich nie mehr geschehen. Doch die Wahrheit zu verfälschen um sich selbst ein wenig besser zu fühlen, ist meiner Meinung nach auch nicht das Gelbe vom Ei.

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