Woran glaubst du denn jetzt eigentlich?

Eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird und die mir Mühe bereitet eine zufriedenstellende Antwort zu geben (wobei vermutlich nur ich da nicht zufrieden bin mit der Antwort). Der naturspirituelle Weg ist eben oftmals nicht so klar definiert, wie es zum Beispiel im Christenum der Fall ist. Wie also kann ich das, was meine Lebensphilosophie ausmacht in wenigen Worten möglichst gut beschreiben? In diesem folgenden Text will ich mich der Herausforderung stellen und einen Versuch starten.

Ein Weg der Authentizität

"You were wild once, don't let them tame you." - Isadora Duncan, American Dancer

Heidentum hat für mich ganz viel mit Freiheit zu tun. Freiheit mich selbst kennen zu lernen. Freiheit mich nicht in etwas Vorgegebenes hineinquetschen zu müssen, sondern Fragen stellen zu können. Freiheit meine Authentizität zu leben. Das alles gibt mir unheimlich viel, verlangt aber auch einiges an Mut, denn es heisst auch manchmal gegen den Strom schwimmen zu müssen und das ist zugegebenermassen nicht immer ganz einfach. Meine Freiheit möchte ich dennoch nicht aufgeben, lieber wachse ich immer mal wieder über mich hinaus indem ich mutig bin und etwas im Leben tue, was ich zuvor noch nie gemacht habe – lernen tue ich immer etwas daraus, ob es gelingt oder nicht.

Diese Authentizität fürt mich zur Natur, denn Naturspiritualität bedeutet mich im Rhythmus der Jahreszeiten zu leben, sie bewusster und intensiver wahrzunehmen, mich als Teil der Natur zu verstehen und sie als  einen Teil von mir. Naturspiritualität bedeutet für mich aber auch meinem Forschergeist zu folgen, die Natur nicht nur in Theorie, sondern auch ganz direkt zu erleben - mit all meinen Sinnen.

Ein Weg des Wachstums

Gleichzeitig ist mein Weg für mich eine Möglichkeit zu wachsen. Das heisst aber auch, dass mein heutiger Glaube nicht zwingend derselbe sein muss, den ich noch vor zehn Jahren hatte - was er übrigens auch nicht ist. Klar, gewisse Grundsätze begleiten mich schon meinen ganzen Weg, wie zum Beispiel mein animistisches Weltbild im Sinne der Allbeseeltheit. Aber auch der Glaube und das direkte Erfahren verschiedener Wirklichkeiten, in meinem Fall der Drei-Welten-Kosmologie, die es auf ihre Weise übrigens auch in der nordischen Mythologie gibt. Der Rest meines Weltbildes verändert sich anhand meiner Erfahrungen, da auch ich mich verändere und weiterentwickle.

Die Sache mit den Göttern

Ja, das ist tatsächlich so eine Sache mit "meinen" Göttern, denn das ist für mich unheimlich schwierig in Worte zu fassen, dennoch will ich es so verständlich wie möglich ausdrücken. Ich folge keinem bestimmten Pantheon, dennoch habe ich im Laufe der Jahre gemerkt, dass die Götter, mit denen ich zusammenarbeite grösstenteils aus den Kulturkreisen entstammen, die es hier in meiner Heimat, der Schweiz, im Laufe der Zeit gab. Dies sind vor allem keltische Völker, aber auch germanische und etwas später dann auch die römische/altgriechische Kultur, die diese Breitengrade mitbeeinfluss haben. Allerdings unterscheide ich mittlerweile schon länger nicht mehr zwischen Göttern und anderen Geistwesen, mein Weltbild ist daher eher animistisch, beziehungsweise schamanisch geprägt und weniger in Form eines formelleren Glaubens mit klar strukturierter Götter und Geisterwelt. Warum? Diese Strukturen sind für mich und meinen Art Spiritualität zu leben ganz einfach irrelevant. Relevant hingegen ist, statt Namen und Einordnung, wie wir einander begegnen und zusammenarbeiten.


Weshalb Begrifflichkeiten nichts für mich sind

Auch mich mit Begrifflichkeiten zuzudecken fällt mir trotz all den Erklärungsversuchen ziemlich schwer. Warum? Nun, wenn ich jemandem sage mein Weltbild sei animistisch oder schamanisch geprägt, so bin ich in den Augen mancher gleich eine Schamanin. Ich selbst würde mich jedoch nicht so bezeichnen, denn das Leben und die Aufgaben traditioneller Schamanen sind meiner Auffassung nach kaum mit den meinen vergleichbar. Ebenso wenig bezeichne ich mich als Hexe, obwohl ich durchaus ein breites Wissen, sowohl an theoretischer als auch an praktischer Magie besitze, doch auch dieses Wort triggert Bilder, mit denen ich mich nicht zu 100% identifizieren kann und will.

Wie also erkläre ich einem Fragenden in aller Kürze woran ich glaube? In vielen Fällen sage ich einfach ich sei Naturspirituell oder eben Heidin, das gibt dem Gegenüber ein grobes Bild, das ich noch etwas genauer beschreiben kann ohne mich zu sehr in eine Schublade stecken zu müssen. Damit sind beide Seiten meistens ganz zufrieden. Aber sind Begrifflichkeiten und Erklärungen am Ende tatsächlich so wichtig? Um miteinander zu kommunizieren vielleicht schon, persönlch natürlich nicht. So wie ich das sehe versteht man sich gegenseitig dann schon irgendwie, wenn ein wirkliches Interesse von beiden Seiten besteht.

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