Wilde Weiblichkeit: Die dunkle Göttin in dir ehren

Die meisten aus meinem Umfeld beschreiben mich als sonniges Gemüt, weil ich oft und gerne lache und es mir Freude bereitet andere Menschen aufzuheitern und zu motivieren. Und ja, da kann ich zu einem grossen Teil zustimmen. Für mich ist ein positives, unterstützendes Verhalten nicht nur wichtig als Teil eines Gesellschaft, sondern auch ganz einfach Teil meiner Qualitäten als Wegbegleiterin.

Ein paar wenige kennen allerdings auch eine andere Seite. Eine Seite mit der nicht zu spassen ist, die sich erfolgreich wehrt, wenn man versucht sie zu verarschen, wie man so schön sagt. Eine Seite, die manchen wohl gezeigt werden muss, weil sie Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft mit Schwäche verwechseln. Auf diese Machtspielchen lasse ich mich heutzutage in der Regel nicht ein, Vieles erledigt sich mit der Zeit ohnehin von selbst. Doch manchmal ist es Zeit der dunklen Göttin in mir eine Stimme zu geben und für mich einzustehen, mich zu wehren und wehe dem, der mir oder meinen Lieben versucht bewusst zu schaden – dann gnade ihm (oder ihr) die Götter.

Nicht everybody’s Darling

Lange Zeit hatte ich Mühe mit dieser Seite in mir. Ich war der Meinung ich dürfte sie nicht leben weil sie nicht Gesellschaftsfähig wäre, schliesslich würde von mir verlangt immer freundlich und zuvorkommend zu sein, die Harmonie zu wahren. Wenn mich dann noch jemand nicht leiden konnte und mich in einer Situation als die Böse hinzustellen versuchte, sah ich für mich die Bestätigung, das mein Verhalten nicht richtig war. Ich glaubte everybody’s darling sein zu müssen. Doch in Wahrheit verlangte nur ich selbst es von mir und die paar, die in mir den Sündenbock für ihre Probleme suchten, wollten in Wahrheit ganz einfach keine Eigenverantwortung für sich selbst, für ihr Leben und ihr Verhalten übernehmen. Ich will damit nicht sagen, dass ich unfehlbar bin, ganz im Gegenteil. Natürlich mache auch ich Fehler, natürlich habe auch ich schlechte Tage und verhalte mich mal daneben und natürlich behandle auch ich nicht immer alle Fair, obwohl ich es nach bestem Wissen und Gewissen versuche.

Doch wenn ich mir diese Situationen so anschaue, die ich erlebt habe, in denen mein Gegenüber wirklich versucht hat mir zu schaden, sei es durch üble Nachrede oder handfeste Taten und ich zum Sündenbock gemacht werden sollte, dann sehe ich vor allem Menschen, die nicht akzeptieren wollten, dass ich mich anders verhalte, als sie es von mir erwarteten. Menschen, die es zuvor genossen haben mich zu ihren Zwecken zu manipilieren, denn ich war ja immer freundlich und zuvorkommend, nicht nachtragend und sagte öfters ja, als mir gut tat. Als sich das änderte, als ich mich änderte und öfter mal für mich selbst einstehen konnte, begann ich mit meinem Handeln bei manchen anzuecken. Zickig, schwierig oder gar inakzeptabel wurde ich genannt und ich musste lernen, dass es völlig in Ordnung ist, wenn nicht alle mich mögen, wenn manche mich sogar absolut doof oder fies finden, nur weil ich nicht nach ihrer Nase tanzte. Das ist absolut ok und ihr gutes Recht, so wie es mein Recht ist für mich einzustehen und das zu vertreten, was ich in meinem Herzen für richtig empfinde. So wie sie es ihrerseits auch tun dürfen. Wenn allerdings jemand aus Wut oder Rache versucht mir zu schaden, dann habe ich mittlerweile überhaupt keine Skrupel mehr mich zu wehren.

Dieses wir Frauen sollen immer höflich und zuvorkommend, oder gar aufopfernd sein, tragen viele von uns noch heute mit sich herum – eine Lebensweise, die manchmal mehr Schaden als Gutes anrichtet. Verhalten wir uns anders und schwimmen gegen den Strom, dann werden wir zickig, schwierig, inakzeptabel oder ganz modern bossy genannt. Die Wahrheit ist allerdings, dass wir uns viel zu lange angepasst verhalten haben, und dass es weit überfällig ist, dass wir für uns einstehen. Dazu gehört natürlich die Seite, die wir als typisch weiblich bezeichnen würden, aber eben auch eine, die ihre Grenzen sehr gut kennt, diese verteidigt und für das kämpft was sie für richtig hält.

Ich bin gerne freundlich und zuvorkommend, ich helfe meinen Mitmenschen und unterstütze sie leidenschaftlich gerne dabei ihre eigenen Stärken zu finden und leben. Aber manchmal braucht es eben auch diese anderen Qualitäten, die für manche unbequem sein mögen. Diese dunkle Göttin, die sich da zeigt ist ein Teil von uns, eine wichtige Seite, die uns in manchen Situationen den sogenannten Arsch retten kann. Sie ist eine wertvolle Lehrerin, eine Begleiterin und Beraterin, die uns dabei hilft zu wachsen und unseren Weg zu gehen. Ich möchte sie nicht mehr missen. Und wie ist deine Beziehung zur inneren dunklen Göttin?

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