Mondblut - Ich blute also bin ich

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Lasst es uns anpacken, Ladies. Das heiss diskutierte Thema des weiblichen Zyklus, das noch immer viel zu viele Tabuthemen und Klischees kennt und doch für so viele von uns ein ständiger Begleiter ist. Falls du den ersten Teil zum Thema noch nicht gelesen hast, kannst du dies hier nachholen, wenn du möchtest: You say Yoni like it's a bad thing


Die Menstruation im Mainstream

Dass das Thema Mondblut in der Öffentlichkeit nach wie vor verpönt ist, merkt man schon beim Schauen der Werbung im TV, wenn wieder mal die berühmte blaue Flüssigkeit auf die gerade angepriesene Binde, oder den Tampon geschüttet wird. Habt ihr euch auch schon mal gefragt, warum man nicht einfach rote Flüssigkeit hätte nehmen können um es zumindest ein bisschen authentischer zu aussehen zu lassen (siehe z.B. Bild oben)? Ja, ich auch, trotzdem wird es bis heute anders gehandhabt. Rot ist zu echt, zu authentisch und Menstruation etwas Schmutziges über das man nicht sprechen darf, erst recht nicht öffentlich. Nur um eine von vielen Möglichkeiten zu nennen wo Frauen sich für ihre Natürlichkeit, für ihren Zyklus, ihr Mondblut und ihre Sexualität schämen soll.

Doch wer hat sich diesen Blödsinn eigentlich ausgedacht? Wer ist auf die Idee gekommen, dass die Weibliche Sexualität und ihr Zyklus inklusive Blutung etwas Beschämendes, etwas Schmutziges oder gar Sündhaftes sei? Ah ja, sündhaft, alles klar. Hier kannst du übrigens mehr zur Kulturgeschichte der Menstruation nachlesen. Aber ist das nicht ein uraltes Muster? Längst überholt? Irgendwie schon, oder etwa nicht? Was hält uns Frauen denn noch davon ab unsere eigene Weiblichkeit zu leben? Das Patriarchat? Nein, ich glaube das ist mittlerweile nur noch eine bequeme Ausrede – Schuld sind schliesslich immer die anderen und auch wenn es in der Vergangenheit durchaus so war, sieht die Situation heute schon wieder völlig anders aus. Oder sie könnte es zumindest, wenn wir es denn wollten. Beziehungsweise, wenn wir uns heute noch von diesen alten Denkmustern steuern lassen, dann geht das voll und ganz auf unsere eigene Kappe, denn wir können uns unserer Wilde Weiblichkeit in all ihrer Pracht ermächtigen, wenn wir es wünschen.

Ich will damit nicht sagen, dass alles immer völlig fair und gleichwärtig abläuft, nein ganz bestimmt nicht. Mir ist völlig bewusst, dass wir in Sachen Gleichstellung nach wie vor noch einiges an Arbeit vor uns liegen haben, doch einen grossteil können wir eben dann doch zumindest mitbeeinflusen und vieles auch völlig selbst bestimmen. Zum beispiel wie wir mit uns, unserem Körper, unserer Weiblichkeit und dem Zyklus umgehen.

Viele Frauen empfinden ihren Zyklus als Last, sie fühlen sich unwohl, manche haben vor oder während der Menstruation auch starke schmerzen, vielleicht hält der Tampon wieder mal nicht dicht und auch sonst gibt es Beispiele zur Genüge, die uns klar machen, welche Last die Menstruation für die Frau darstellt - I get it. Im vielen Fällen wird das Mondblut also, sofern es denn überhaupt irgendwie im Alltag präsent sein sollte, höchstens erduldet – meistens jedoch wird die Tatsache des Zyklus lieber verdrängt und totgeschwiegen, denn noch immer schwingt der uralte Irrglaube der unreinen Eva mit.

Doch mit diesem Bild des Weiblichen Zyklus, merken wir gar nicht wie viel Schaden wir anrichten, denn dieses Totschweigen führt zur Abgetrenntheit. Mit diesem Erdulden signalisieren wird dem Körper: du bist nicht willkommen, du bist nicht in Ordnung, so wie du bist. Und diese Ansicht beeinflusst vieles, aber bestimmt keine gesunde Beziehung zur eigenen weiblichen Kraft.  Wie also können wir das ändern? Wie können wir uns mit unserem weiblichen Zyklus versöhnen, ja ihn gar mögen? Ihn ehren? Dazu müssen wir uns erst einmal mit ihm befassen, uns selbst kennenlernen und lernen, dass alte Denkmuster genau das sind, alt und überholt und zum Teil schlichtweg schädlich und falsch. Und wenn du dich jetzt fragst, wie du eine bessere Beziehung zu deinem Zyklus aufbauen kannst, dann will ich dir ein paar Tipps mit auf den Weg geben.

Mondblut - die Urweibliche Kraft

Die Menstruation ist eine urweibliche Kraft, die es zu ehren lohnt! Ja, in der Zeit der Menstruation stehst du voll und ganz in deiner Macht, du stehst damit in Verbindung zu den Zyklen der Erde - was gibt es heiligeres als das? Um dich auf dein Mondblut einzustimmen, um zu lernen es zu ehren, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Mondblut-Tagebuch in welches du über deine Menstruation schreibst? Über deine Empfindungen, deine Gedanken? Auch Meditation und vor allem Yoga können dir dabei helfen während deiner Menstruation liebe- und respektvoll mit deinem Körper umzugehen und gerade wer während der Tage öfters mal mit Krämpfen zu kämpfen hat, sollte sich mal überlegen ob Sex während der Menstruation eine Option wäre, denn Orgasmen wirken krampflindernd!

Wichtig ist aber vor allem, was du für dich in dieser Zeit brauchst. Brauchst du Zeit für dich, dann nimm sie dir, brauchst du Zeit um dich zu bewegen, weil es dir ganz einfach gut tut, dann nimm dir auch das. Spüre in dich hinein und antworte dir ehrlich - erlaube dir selbst das zu geben, was dir gut tut.

Doch nicht nur die Blutung selbst ist es wert besser zu verstehen, es lohnt sich unseren gesamten Zyklus kennenzulernen, denn ...

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Jeder Zyklus ist individuell

Der Menstruationszyklus wird traditionell in verschiedene Phasen eingeteilt. Während manche ihn in vier Phasen (Menstruation, Follikelphase, Eisprung und Luteale Phase) einteilen, teilen ihn andere in 2-3 Phasen ein (je nachdem ob Mens und Eisprung einzeln gezählt werden) und beginnt jeweils mit dem ersten Tag der Blutung. In der Regel dauert ein Zyklus zwischen 24 un 38 Tagen (im Durchschnitt 28 Tage) , während die Menstruation selbst in der Regel nicht mehr als 8 Tage dauert (im Durchschnitt 4-5 Tage). Allerdings hat jede Frau ihren eigenen Rhythmus, den es zu erforschen gilt. Ob die Zyklus- und Menstruationsdauer regelmässig ist oder nicht hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Der eigene Zyklus lässt einen wissen wenn alles im grünen Bereich ist, aber auch wenn der Körper eine Veränderung durchläuft, wenn er gestresst ist oder auch wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Deshalb ist es für jede Frau wichtig ihren ganz persönlichen Zyklus kennenzulernen, sich selbst kennenzulernen um die Signale, die unser Zyklus uns mitteilen will, besser zu verstehen. Dafür gibt es mittlerweile auch Apps wie zum Beispiel MyNFP oder Clue (womit ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe), die dabei helfen den eigenen Zyklus bewusst wahrzunehmen und zu tracken.

Trau dich! - Tausche dich mit anderen Frauen aus

Sich auszutauschen hilft! Und zwar nicht nur beim Lernen über den eigenen Zyklus, sondern auch dabei zu verstehen, dass wir Frauen viele ähnliche Ängste, Zweifel aber auch Hoffnungen und Träume haben. Dieses Wissen und dieser Austausch verbindet und diese Verbindung hilft uns nicht nur einander besser zu verstehen, sondern uns auch gegenseitig zu unterstüzten. Wir können gemeinsam viel schaffen, doch dafür müssen wir uns einander auch öffnen können - als trau dich und sprich mit anderen über deine Wilde Weiblichkeit und über deinen Zyklus!

Sexualität und Verhütung

Wie sehr beschäftigst du dich mit deiner Sexualität? Was magst du daran, was eher nicht so? Weisst du, wann in deinem Zyklus du besonders lustvoll bist, wann eher nicht? Respektierst du diese Gefühle? Und wieviel weiss dein Partner über deinen Zyklus? Könnt ihr gemeinsam darüber sprechen, oder ergreift er die Flucht bei der kleinsten Erwähnung?

Auch das Thema der Verhütung trägt eine wichtige Rolle in unserem Zyklus. Gerade hormonelle Verhütungsmethoden greifen drastisch in die natürlichen Zyklen der Frau ein und erschweren nicht selten den eigenen, natürlichen Zugang dazu. Ich will Verhütungsmethoden wie die Antibabypille keinesfalls schlechreden, sondern ausschliesslich sensibilisieren, dass wir auch in dieser Hinsich bewusst informieren und entscheiden sollten um für unseren Körper das bestmögliche zu finden.

Egal welche Entscheidung du am Ende triffst dich mit deinem Mondblut und deinem Zyklus auseinanderzusetzen, egal zu welcher Erkenntnis du dabei gelangst, stelle sicher, dass es sich für dich richtig anfühlt, dass du dich nicht zu irgendetwas zwingst oder dich verplfichtet fühlst. Deshalb ist es wichtig dich selbst kennen zu lernen, denn nur wenn du deine Bedürfnisse, deine Ziele und Träume kennst, kannst du Grenzen setzen und deine Träume verwirklichen.


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