Yoga, Mantras und Co – warum wir uns die Spiritualität anderer zu eigen machen

Praktisch jeder Weiss mittlerweile was Achtsamkeit ist, viele gehen zwei Mal die Woche zum Yoga und chanten die spirituellsten Mantras - da bin ich keine Ausnahme. Doch was hat es mit dieser Faszination auf sich?

Ich denke vieles hat damit zu tun, dass die Menschen sich viel weniger mit den vorherrschenden Religionen identifizieren können und dennoch, was bleibt für den Geist, wenn nicht die Buchreligionen, die viele von uns schon von klein auf kennnen? Was macht der Europäer, der dennoch nach Spiritualität fragt? Da bieten sich «fremde» Glauben aus der exotisch faszinierenden Kultur ganz einfach an. Versteht mich nicht falsch, auch ich finde es unheimlich spannend andere Kulturen kennenzulernen und einen Einblick in ihre Lebensweise, ihre Traditionen und Lebensphilosophien zu erhalten. Und auch für mich gehört beispielsweise Achtsamkeit schon eine ganze Weile zur täglichen Praxis und ich möchte die Ausübung jegwelchen Glaubens auch keinesfalls schlechtreden, denn am Ende ist es etwas sehr Persönliches.

Doch sollten wir vorsichtig sein nicht einfach etwas zu imitieren, oder gar etwas sein zu wollen was wir nicht sind. Erst recht nicht nur weil es gerade in ist, weil wir die Kultur cool finden oder weil wir glauben wir selbst hätten bei uns nichts, mit dem es sich lohnt in tiefer Verbundenheit zu leben. Oft hören wir wie viele Kulturen wir Europäer zerstört hätten und ich will das keinesfalls kleinreden, doch dabei vergessen wir oft, dass auch wir selbst sehr viel verloren haben. Auch wir wurden christianisiert, auch unsere Kulturen wurden verdrängt und grösstenteils ausgelöscht, nur dass das alles noch viel früher geschah. Einiges hat sich aber zum Glück auch durch die Vermischung verschiedener Lebensphilosophien bis heute erhalten, anderes glauben wir uns nach wie vor aus anderen Kulturen zu eigen machen zu müssen. 

Auf der Suche nach uns selbst

Doch warum tun wir es nicht einfach unseren Vorfahren gleich, wo manch einer sich schon damals unter einer alten Buche sitzend zu neuem Inspirieren liess. Warum sollten wir es nicht auch so handhaben? Vielleicht weil die Wissenschaft kaum Beweise hat zur vorchristlichen Lebensweise und Handbaung? Ja, das mag wohl stimmen, doch was hatten unsere Vorfahren für Beweise? Wurden die Traditionen da nicht auch schon einfach und sehr direkt erlebt und weitergegeben? Doch heute sind wir derart kopflastig geworden, dass nichts mehr gut genug zu sein scheint. Auch Europa hat nach wie vor seine Mantren. Zugegeben, oft finden wir sie heute unter christlichem Deckmantel. Doch das war nicht immer so, viele christliche Segensgebete wurden einst aus dem damaligen Heidentum entnommen und verchristlicht. Das heisst es gab sie schon vorher, doch damals unter anderem Namen. Warum also nicht etwas Eigenes erschaffen? Etwas, mit dem wir tief verbunden sind? Und dabei dürfen wir uns selbstverständlich durch andere Kulturen inspirieren lassen, doch bitte nicht einfach lieblos imitieren.

Die Balance wiederfinden

Warum also diese tiefe Faszination? Warum machen wir uns die Lebensphilosophien fremder Völker nach wie vor zu eigen? Ich glaube, weil wir darin eine Wahrheit spüren. Als Omnistin erkenne ich Wahrheit in jeder spirituellen Richtung und Religion und ich glaube Achtsamkeit, Mantren und diese tiefe Verbundenheit zum Göttlichen ist ein Menschliches Grundbedürfnis, welches in jedem von uns auf die eine oder andere Weise in Resonanz geht. Trotzdem sollten wir unsere eigenen Wurzeln dabei nicht einfach verdrängen, sondern viel eher beginnen nach ihnen zu graben und tief in unserem Innern zu suchen. Ich glaube wenn wir das tun, dann werden wir noch auf so manche Erkenntnis stossen, die uns überraschen könnte.

0 Comentarios