Krautgeflüster - das 1x1 der Heilkräuter



Ist es nicht herrlich zur Zeit? Alles blüht und gedeiht. Man hört die Vögel singen und die Grillen zirpen und ja, so ganz langsam kommt auch ein Gefühl der Normalität zurück. Eine neue Normalität, die, wie alles andere auch ihre Vor- und Nachteile mit sich trägt. Während wir uns in den vergangenen Monaten alle ganz brav an die von der Regierung vorgegebenen Regeln zu halten hatten, stand bei mir noch ein weiteres Thema im Vordergrund. Eines, von dem kaum gesprochen wurde, von dem vermutilch viele auch kaum mehr etwas wissen und wissen wollen, denn für die grossen und mächtigen der Länder hat sie kaum mehr einen Nutzen. Ich spreche von der Stärkung des eigenen Immunsystems. Dazu habe ich hier auf dem Blog schon einiges geschrieben. Die alten Beiträge dazu findest du unter 5 Wege dein Immunsystem auf natürliche Weise zu stärken und unter Imbolc: Zeit für eine Frühjahrskur.

Die Volksheilkunde kennt schier unzählige Möglichkeiten zur Bekämpfung von Krankheiten und der Steigerung des Wohlbefindens. Nicht alle dienen jedem gleich gut und dennoch, wenn wir bereit sind in uns hineinzuhören, dann finden wir ganz oft das für uns passende Heilmittel. In diesem Artikel möchte den Blick auf ein ganz bestimmtes Gebiet der Volksheilkunde richten, eines,  das mir ganz besonders am Herzen liegt: Die Phytotherapie.


Was ist Phytotherapie?

Phytotherapie ist die Lehre der Pflanzenheilkunde und die hat uns bei näherem Betrachten erstaunliches zu lehren. Viele Heilpflanzen wachsen bei uns im Garten, vor der Haustür oder dem nahe gelegenen Wald. Nur wenige sind den meisten Menschen  heute noch bekannt, oder zumindest wissen nur wenige etwas über deren Heilkräfte. Manche stempeln wir sogar gerne mal als sogenanntes "Unkraut" ab, weil  sie uns in unserem fein säuberlich angelegten Garten beet stören und manche glauben, Heilpflanzen müssten von weit her kommen und von Naturvölkern aus dem tiefsten Dschungel gepflückt worden sein um Wirkung zu erzielen. Doch es müssen keine exotischen Kräuter sein, das, was in unserer unmittelbaren Umgebung wächst trägt oft erstaunliches in sich.

Deshalb möcthe ich dir gerne einige meiner liebsten Pflanzenverbündeten vorstellen, die mich zum Teil schon seit meiner Kindheit durch Gesundheit und Krankheit begleiten. Mein kleines Heilkräuter 1x1 sozusagen. Natürlich kann ich dir in einem einzigen Blogpost nur einen sehr groben Einblick geben, ich empfehle dir also dich bei Interesse noch etwas genauer mit der jeweiligen Pflanze zu beschäftigen, denn jede einzelne ist ein kleines Wunder.

Anmerkung: Auch wenn ich davon ausgehe, dass du, lieber Leser nach gesundem Menschenverstand handelst, werde ich an dieser Stelle keine reinen Giftpflanzen vorstellen. Das heisst allerdings nicht, dass die hier erwähnten Pflanzen nicht auch mit Verstand gebraucht werden sollten, denn wie sagte Paracelsus einst so schön?

 "Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift - allein die Dosis macht, das ein Ding' kein Gift ist."

Bitte informiere dich deshalb vor der Verwendung der jeweiligen Pflanze vor allem darüber wie diese zubereitet werden darf, damit sie auch die gewünschte Heilung bringen kann.


Mein 1x1 der Heilkräuter


Baldrian (Valeriana officinalis) - Der Baldrian ist bekannt für seine beruhigende und entspannende Wirkung. Dabei sind es die ätherischen Öle der Baldrianwurzel, die besondere Heilkräfte bergen. Allerdings macht Baldrian, wie manchmal fälschlicherweise gedacht nicht müde, sondern beruhigt und entspannt. Deshalb wird er auch gerne bei Nervostiät vor Prüfungen empfohlen.

Beifuss (Artemisia vulgaris) -  das Artemisienkraut ist seit Menschengedenken nicht nur eine wichtige Heilpflanze, sondern stärkt und schützt auch auf magische Weise. Doch dieses Wissen ist heutzutage weitesteghend in Vergessenheit geraten. Bei den Germanen wurde er Mugwurz genannt, was soviel heisst wie Machtwurz. Bei Menstruationsbeschwerden wirkt er krampflösend und bei zu schwacher oder gar ausbleibender Blutung fördert er ebendiese. Allerdigns sollte er gerade während einer schwangerschaft nicht eingenommen werden, da er abtreibend wirkt. Zur Wehenförderung wurde er daher früher gerne eingesetzt, genauso zur Unterstützung beim Abgehen der Nachgeburt.

Beinwell (Symphytum officinale) - trägt seinen Namen dank seiner entzündungshemmend, abschwellend, wundreinigenden Kräfte bei Verstauchungen aber auch bei Knochenbrüchen angewendet.(nur äusserlich!) Auch sein name Wallwurz geht auf das Wort "wallen" zurück, was sovielheisst wie zusammenwachsen.

Birke (Betula)- Die Blätter der Birke wirken keimhemmend, blutreinigend und stark harntreibend. Daher eignet sie sich hervorragend zur Reinigung der Nieren. Die Birke gilt von alters her als Symbol der Fruchtbarkeit und der jungfräulichen Göttin. Vielleicht sagen dir die Maibäume etwas? Dafür werden traditionell Birken verwende, denn sie gilt als Baum der Liebe, des Lebens und des Glücks.

Brennnessel (Urtica dioica) - Wer kennt sie nicht, die stechende Nessel? Doch sie ist viel mehr als einfach nur nervig, wenn man mal wieder unachtsam in sie hineintritt. Denn die Brennnessel ist ein Vielkönner. So hilft sie zum Beispiel bei Arthrose, Arthritis, Prostatabeschwerden und Blasenproblemen, und kann entzündliche Darmerkrankungen positiv beeinflussen. Allerdings ist sie auch besonders als eines der Kräuter bekannt, die als absolutes Muss in die Frühjahrskur gehören, denn die Brennnessel hilft beim Entschlacken und Entgiften. Und wusstest du, dass Brennnesseljauche auch sehr erfolgreich als natürliches Düngungsmittel gegen Pestizide eingesetzt.

Fenchel (Foeniculum vulgare)- Schon den kleinsten wird Fencheltee gegeben um Linderung bei Koliken und Bauchschmerzen zu verschaffen. Der Fenchel ist daher vielen bekannt als Pflanze gegen Magen- und Darmbeschwerden. Doch er hat ncoh mehr auf dem Kasten, denn die Fenchelknolle hat eine nennenswerte Menge an den Vitaminen A, K, E, Folsäure und Beta-Carotin. Sowie Mineralstoffe, Kalzium und Magnesium und hat fast doppelt so viel Vitamin C wie Orangen.

Holunder (Sambucus nigra) - Eine der grössten magischen Pflanzen Europas ist der Holunder. Auf meinem Alten Blog habe ich dieser Edlen Pflanze vor einiger Zeit schon einen eigenen artikel gewidmet. Hier geht es zum Artikel.  Hier gibt es auch noch einen interessanten Beitrag über den Holunder zu finden: Holundersaft

Ingwer (Zingiber officinale)-  Na, wer trinkt zur Stärkung des Immunsystems auch Ingwertee? ich auf jeden Fall, denn Ingwer enthält nicht nur viel Vitamin C, sondern auch Magnesium, Eisen, Kalzium, Kalium, Natrium Phosphor und Rhizom, welches antibakteriell wirdkt und eine gesunde Darmflora unterstützt.

Johanniskraut (Hypericum perforatum) - wird heute oft als natürliches Equivalent zu Antidepressiva bei leichten bis mittelschweren Depressionen angewandt und zählt somit zu den Stimmungsaufhellern unter den Pflanzen. Das Johanniskraut ist eine typische Mittsommerpflanze (Mittsommer ist jeweils um den 21. Juni), daher trägt es auch seinen Namen, denn der Tag des Johannes ist am 24. Juni. Allerdings sollte man bei der Verwendung von Johanniskraut vorsichtig sein, wenn man vor hat sich später noch an die Sonne zu legen, denn seine Inhaltsstoffe können bei zu viel Sonnenlicht eine Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut auslösen. Doch das Kraut kann aber noch mehr. Das „Rotöl“, das sogenannte "Johannisblut" zum Beispiel wird äusserlich auch bei Wunden auf die Haut aufgetragen. Im alten Volksglauben hatte das Johanniskraut als eines der Sonnenwendkräuter nicht nur eine medizinische, sondern auch eine mystische Wirkung und galt als starkes Kraut bei der Abwehr unerwünschter Energien und wurde als Orakelkraut genutzt.

Kamille (Matricaria chamomilla) - Das Heilkraut schlechthin wird dank ihrer krampstillenden, beruhigenden und blähungswidrigen Eigenschaften oft als Tee bei Bauchschmerzen und zur Beruhigung des Verdauungstraktes verwendet. Doch die Kamille ist auch wundheilend und wird unter anderem als Salbe, aber auch als Bad verwendet. Hier gilt allerdings zu beachten, dass sie austrocknend wirkt und daher für schon von Natur aus trockene Haut auch reizend sein kann.

Kapuzinerkresse (Tropaeolum Majus) - Die Kapuzinerkresse ist bekannt für ihre antibakterielle Wirkung, die in bestimmten Fällen auch als natürliches Antibiotikum eingesetzt werden kann. Im Gegensatz zum allseits bekannten Antibiotikum wirkt die Kapuzinerkresse aber nicht nur antibakteriell, sondern auch antiviral, was sie zu einem ebenso wertvollen Begleiter bei Erklätungen macht. Auch bei Blasenentzündungen wird sie eingesetzt, nicht zu vergessen ist zudem ihre Wirkung bei äusserlicher Anwendung. Dort eignet sie sich nämlich zur Förderung der Durchblutung und wird unter anderem bei Prellungen und Sportverletzungen angewendet. Die Kapuzinerkresse kann man gut als Brotaufstrich essen, oder aber im Salat.



Knoblauch (Allium sativum) - Diese Knolle hat wohl ein jeder bei sich Zuhause, oder zumindest schon gesehen und gegessen. Knoblauch gehört in viele unserer Speisen, doch wusstest du, dass er auch heilsame Wirkungen in sich trägt? Der Knoblauch wirkt antibakteriell. Er enhält Acillin, welches unter anderem leicht blutverdünnend und blutdrucksenkend wirkt und Viren, Bakterien sowie Pilzen entgegenwirkt, weshalb es manchmal auch als natürliches Antibiotikum bezeichnet wird.

Linde (Tilia)- Lindenblütentee ist vor allem bekannt für seine schweisstreibende, immunstärkende und erkältungslindernde Wirkung. In der Volksmagie ist die Linde mit ihren Herzförmigen Blättern ausserdem als Kraut gegen gebrochene Herzen bekannt und wird daher oft bei Liebeskummer verwendet. 

Löwenzahn (Taraxacum- Als Salat schmeckt der Löhwenzahn super und als Frühjahrskraut dient er ganz wunderbar für eine Frühjahrskur. Er wirkt Blutbildend, Blutreinigend und Harntreibend. Als Frühjahrskraut gehört er auch in die Gründonnerstagssuppe und schenkt dem müden Winterkörper neue Kraft fürs bevorstehende Jahr.

Minze (Mentha × piperita) - Die Minze hat eine kühlende und beruhigende Wirkung. Nicht umsonst wir sie zum Beispiel in den arabischen Ländern gerne als Minztee getrunken.

Ringelblume (Calendula officinalis) -  Bestimmt hast du schon mal von der Ringelblumensalbe gehört und tatsächlich hilft diese Pflanze ganz hervorragend als Wundheilmittel. Sie wird für nahezu alle Arten von Hautverletzungen und -entzündungen verwendet - egal ob bei Sonnernbrand, Ekszemen oder gegen Quetschungen, Verstauchungen und blaue Flecken.

Rotklee (Trifolium pratense) - Jedes Kind weiss um das Glückssymbol des vierblättrigen Kleeblatts, die Heilkräfte des Klees stecken jedoch hauptsächlich in dessen Blütenknöpfen. Der Rotklee ist ein Wunderbares Frauenkraut, denn dank seiner Phytohormonen hilft uns er dabei unseren Hormonhaushalt auszugleichen. Und wenn du nächstes Mal auf einer Wanderung bist und dir einen Insektenstich einfängst, dann suche den Rotklee. Nim eine Blüte, zerquetsche sie mit deinen Fingern und lege sie auf den Stich. Du wirst sehen, der Juckreiz ist Schnee von gestern. 

Salbei (Salvia officinalis) -  Du hast Halsschmerzen? Dann kann dir der Salbei dabei helfen diese zu linern. Der Salbei, oder Echte Salbei beinhaltet eine Vielzähl ätherischer Öle, Gerbstoffe und Bitterstoffe, die auch, aber eben nicht nur bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum kleinere Wunder wirken können. Nebst einer Einnahme als Tee oder Gurgellösung bei Erkältungskrankheiten, macht er die Verdauung von fetthaltigen Speisen erträglicher und lindert Blähungen und Krämpfe. Und dank seiner milchflusshemmenden Wirkunger hilft er als Tee ganz wunderbar beim Abstillen. 

Allerdings ist der Salbei so eine Pflanze bei der man besonders gut darauf achten sollte, nicht zuviel zu sich zu nehmen. Auch Schwangere und Kleinkinder sollten auf ihn verzichten.

Schafgarbe (Achillea millefolium) - eines meiner absoluten Lieblingskräuter ist die Schafgarbe. Ihren deutschen Namen trägt sie, wer hätte es gedacht, dank der Schafe, die sie fressen, wenn diese Bauchbeschwerden haben. Und da haben wir auch schon einen wichigen Anhaltspunkt über die Heilwirkung der Schafgarbe. 

Doch die Schafgarbe hat noch ein weiteres Ass im Ärmel und auf dieses weist ihr lateinisches Name hin: Achillea millefolium. Als griechischer Held soll Achilles einst seine im Kampf zugezogenen Wunden mit dem Kraut geheilt haben und tatsächlich wirken die ätherischen Öle der Schafgarbe blutstillend. Dafür verantwortlich ist die darin enthaltene Gerbsäure (Tannin), die das Gewebe zusammenzieht und Blutungen stoppt.

Spitzwegerich (Plantago lanceolata)-  den Spitzwegerich gilt als König der Wege, was wir seinem Namen mit dem Silbe “Rich” für König entnehmen können. Doch was macht ihn eigentlich zum König? Du kennst ihn vielleicht als Hustensaft? Denn er hilft ganz wunderbar bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, aber auch bei Lungenentzündungen. Weiter hat er aber auch eine juckstillende Wirkung bei Mücken- und Brennnesselstichen. Der Spitzwegerich kann jedoch auch als Salat gegessen werden und hilft den Darm zu regulieren - nicht umsonst gilt er als eines der Kräuter, die für die Gründonnerstagssuppe verwendet werden.

Thymian (Thymus vulgaris) - Bei Erkältungen hilft Thymian deine Atemwege frei zu bekommen. Sei es als Nasenspülung oder als Tee, er ist ein kleines Wundermittel was die Atmungsorgane betrifft.

Mit diesem Blogpost hoffe ich dir einen kleinen Einblick in die Welt der Pflanzenheilkunde gegeben zu haben. Vielleicht kennst du noch anderen Pflanzen, die du gerne zum Wohle deiner Gesundheit nutzt? Dann teile sie gerne in den Kommentaren oder per Mail mit mir. Solltest du gerne mehr über Heilpflanzen lernen wollenn, dann kann ich dir auch einige Bücher ans Herz legen. 


Buchempfehlungen:

  • Hexenmedizin: Die Wiederentdeckung einer verbotenen Heilkunst von Christian Rätsch, Wolf Dieter Storl und Claudia Müller-Ebeling
  • Heilkräuter und Zauberpflanzen von Wolf-Dieter Storl
  • Die Unkräuter in meinem Garten von Wolf-Dieter Storl
  • Unsere grüne Kraft, das Heilwissen der Familie Storl von  Wolf-Dieter Storl
  • Aus meiner Hausapotheke von Maria Treben
  • Enzyklopädie der Magischen Kräuter von Scott Cunningham (Keine Phytotherapie aber ein zauberhaftes Buch über die magische Bedeutung der Pflanzen)



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