Von Frau zu Frau: Die Schwesternwunde


Wenn wir von Frauenrechten und Gleichberechtigung sprechen, dann oft im Zusammenhang mit Themen wie Unterdrückung, Unterbezahlung, Belästigung oder Selbstwert. Nicht selten müssen wir uns mit patriarchalen Aussagen herumschlagen wie «Die hat bestimmt ihre Tage» oder «die hat den Job doch nur bekommen, weil sie mit jemandem geschlafen hat». Nicht zuletzt ist es längst kein Geheimnis mehr, dass Frauen in der Berufswelt einiges mehr leisten oder sich gar «männlicher» geben müssen, um als ebenso kompetent angesehen zu werden, wie ihre männlichen Kollegen. Es wird also noch etwas dauern bis sich die alten, starren Muster in unseren Köpfen, durch gleichwertige ersetzt lassen können. Aber wie heisst es so schön, auch der weiteste Weg, beginnt mit dem ersten Schritt.

Somit wären wir auch schon beim eigentlichen Thema dieses Artikels, nämlich beim Wort «WIR». Wir Frauen mögen die Schuld gerne aufs «böse» Patriarchat schieben. Das ist bequem, denn wir können die Verantwortung jemand anderem abgeben. Aber hast du schon mal beobachtete wie Frauen selbst miteinander umgehen? Ist dir schon mal aufgefallen, was auch da alles abgeht? Immer wieder beobachte ich, wie wir Frauen uns gegenseitig angehen, wie wir verletzen, abwertend und manipulativ sowohl mit als auch übereinander sprechen. Durch diese Art des Umgangs entsteht eine tiefe emotionale Wunde, die sogenannte Schwesternwunde. Durch Neid, Missgunst, Lästerei und Konkurrenzkämpfe wird diese Wunde immer grösser. Und glaub mir, die Wunde ist bei vielen von uns schon sehr gross. Mindestens ebenso gross wie die patriarchale Wunde.

Und ich will damit nicht sagen, dass es unter Männern keinen «Zickenkrieg» - oh, schon wieder so ein Ausdruck – gäbe. Allerdings gehen Männer tendenziell eher in die direkte Konfrontation, während es bei Frauen oft subtiler ausgetragen wird. Beide Wege können ungesund sein, bei der direkten Konfrontation hat man allerdings eher die Chance durch gutes Konfliktmanagement ein Problem aus der Welt zu schaffen, als bei versteckter Aggression oder subtilem Ausschluss. Oft wird dann nach aussenhin so getan als sei alles in Ordnung, und hinten rum wird der Kampf auf manipulativste Weise ausgetragen. Diese Aggression und dieser Ausschluss rühren oft von Gefühlen des Minderwerts und führen nicht nur zu Entmutigung und Misstrauen untereinander, sondern schlussendlich auch zu einer immer tiefer werdenden emotionalen Wunde. Bei vielen sitzt diese Wunde so tief, dass sie sich völlig natürlich anfühlt und wir nicht einmal merken, in welchem Teufelskreis wir uns befinden. Dabei vergessen wir völlig: Die Gleichstellung der Frau beginnt bei den Frauen!

Die Heilung der Schwesternwunde

Wenn wir tatsächliche Gleichstellung wollen, dann ist es wichtig an unserer Schwesternwunde zu arbeiten und diese soweit wie möglich zu heilen. Dazu müssen wir lernen unser ständiges Vergleichs- und Konkurrenzdenken abzulegen und alte Wunden zu verarbeiten. Übrigens bedeutet die Schwesternwunde zu heilen nicht, dass wir alles, was unsere Mitfrauen so denken und anstellen gutheissen müssen, nein ganz bestimmt nicht. Aber es bedeutet, dass wir lernen sollten uns gegenseitig Raum zu lassen, zu respektieren und zu unterstützen, oder uns zumindest wohlwollend zu verhalten. Wenn wir lernen einander diese Wertschätzung entgegenzubringen, erheben wir uns gegenseitig.. Wir Frauen schaffen schon so viel Grossartiges, gemeinsam könnten wir aber noch so viel grossartigere schaffen! Daher ist es an der Zeit uns gegenseitig als wertschätzende Schwestern zu behandeln, statt einander zu bekämpfen.


Was ist unser nächster Schritt?

Die Schwesternwunde zu heilen bedeutet in die Selbstverantwortung zu gehen. Dadurch lernen wir, dass unser Verhalten auch Auswirkungen mit sich trägt. Weiter ist ein gesunder Selbstwert wichtig. Du bist nicht weniger Wert, nur weil jemand anderes erfolgreich ist, schön, klug oder was auch immer. Selbstakzeptanz hilft dir einen Gleichwert zwischen dir und anderen Menschen herzustellen. Das wiederum führt dazu, dass Vergleiche überflüssig werden, denn durch Selbstakzeptanz werden dir nicht nur deine Stärken bewusst, sondern auch dein Einzigartigkeit und gleichzeitig die jeder anderen Frau auch. Wenn wir aufhören können uns gegenseitig ständig als Bedrohung anzusehen, wenn wir einer Schwester ihr Glück gönnen können, dann heilen wir unsere Schwesternwunden. Dann können wir uns gegenseitig unterstützen und stärken und gemeinsam aufblühen.

Vielleicht möchtest auch du dich anschliessen und an der Heilung deiner Schwesternwunde arbeiten? Es ist ein spannender, ermächtigender Weg. Sowohl für dich, als auch für deine Menschenschwestern!


Wie auch immer dein Weg aussehen mag, liebe Schwester, ich wünsche dir viel Freude, Mut und Erfolg dabei!


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