Mabon: Die Balance von Licht und Schatten


Mit Mabon treten wir ganz allmählich über in die dunkle Jahreszeit, die Zeit des in-sich-Kehrens. Ich mag die dunkle Jahreshälfte und die Dunkelheit allgemein. Sie lässt mich zur Ruhe kommen und tief in mein Inneres schauen. Zugegeben, manchmal kann genau das auch ganz schön unheimlich werden und ich spreche hier wohlgemerkt nicht von der Gefahr sich des Nachts den kleinen Zeh an der Bettkante zu stossen *autsch*, sondern von der Dunkelheit in uns. Oft ist es nicht besonders angenehm sie uns ins Bewusstsein zu rufen, schliesslich liegt sie da aus einem sehr guten Grund in der hintersten, dunkelsten Ecke unseres Seins. Dort müssen wir sie nicht sehen und uns folglich auch nicht mit ihr beschäftigen - das ist praktisch. Allerdings ist es nur so lange praktisch, wie uns diese Aspekte unseres Seins nicht in unserem alltäglichen Leben behindern. Und erfahrungsgemäss tun sie oft genau das früher oder später besonders gerne.

Da kommt er dann, der kleine innere Dämon, der rüttelt und zerrt bis es uns ganz schön unangenehm wird. Sowohl in meinem spirituellen, als auch meinem beruflichen Weg habe ich schon so einige Bekanntschaft mit diesen inneren Dämonen gemacht. Während manche von ihnen sich bei näherem Betrachten als harmlose Stubentiger herausstellten, waren andere ganz schön hartnäckige Quälgeister. Doch egal auf welche der Varianten ich während meiner Reise ins Innere stosse, sie sind immer auch wertvolle Lehrer. C.G. Jung nannte diese inneren Dämonen einst Schatten und meinte dazu:

»Wer zu sich selber geht, riskiert die Begegnung mit sich selbst. Der Spiegel schmeichelt nicht, er zeigt getreu, was in ihn hineinschaut, nämlich jenes Gesicht, das wir der Welt nie zeigen, weil wir es durch die Persona, die Maske des Schauspielers, verhüllen. Der Spiegel aber liegt hinter der Maske und zeigt das wahre Gesicht. Dies ist die erste Mutprobe auf dem inneren Wege, eine Probe, die genügt, um die meisten abzuschrecken, denn die Begegnung mit sich selber gehört zu den unangenehmeren Dingen, denen man entgeht, solange man alles Negative auf die Umgebung projizieren kann.« - C.G. Jung

Wenn wir uns jedoch der Tatsache bewusst werden, dass wir gut genug sind, so wie wir sind und wenn wir uns ermutigt fühlen auch diesen dunklen Seiten des Lebens zu begegnen, dann erfahren wir nicht nur unsere wahre innere Stärke, die uns oftmals gar nicht bewusst ist, sondern können auch wahrhaftig wachsen, ja gar über uns selbst hinauswachsen. Schlussendlich führt uns diese Selbsterkenntnis aber vor allem auch zur eigenen Authentizität. Wir werden sozusagen mehr uns selbst. Mabon, die Zeit in der Tag und Nacht gleich lang sind, zeigt uns die Wichtigkeit dieser Balance von Licht und Dunkel. Sie zeigt uns, dass beides ganz natürlich zu uns gehört und dass es nicht nötig ist, das eine oder das andere zu unterdrücken. Mabon erinnert uns aber auch daran dankbar zu sein für das, was uns geschenkt wurde, nicht nur materiell, sondern auch für die eigenen Stärken und Schwächen, und unsere Erfahrungen.

Ich wünsche dir von Herzen eine schöne Mabon-Zeit mit vielen wunderbaren Erkenntnissen über dein Selbst mit all seinen Facetten.








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