Endlich. Was der Umgang mit dem Tod uns lehrt.

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 "Greeting Death as an old friend, they departed this life as equals." - The Tale of the Three Brothers


Kennst du das Märchen der drei Brüder aus der Harry Potter Saga? Es handelt sich dabei um eine Geschichte der Zaubererwelt, das dort jedem Kind bekannt ist. Aus diesem Märchen stammt das hier erwähnte Zitat. Die Zeit um Samhain (Halloween, Allerheiligen) als Ahnenzeit eignet sich ganz hevorragend dazu sich einmal ganz bewusst mit dem Thema Tod auseinderzusetzen und heute, will ich einige meiner Gedanken dazu mit dir teilen.

Für manche Menschen ist der Tod ein bekannter Begleiter, der ihnen schon früh im Leben zum ersten Mal begegnet ist. Für andere wiederum ist er ein Tabuthema, eines, das nicht existieren soll und darf und für die er um jeden Preis zu besiegen gilt. Dass das Thema uns angst macht ist verständlich, weiss doch keiner so recht, was danach tatsächlich passieren wird. Wohin wir gehen, ob wir irgendwo hin gehen und wer wir dann überhaupt sind, so ganz ohne Körper. Der Tod wirft viele Fragen auf, viel mehr als wir Antworten darauf finden können und trotzdem ist er, auch wenn wir es oftmals nicht gerne zugeben, unvermeidbar und ein erheblicher Bestandteil unseres Lebens.

Mir selbst ist der Tod früh im Leben begegnet, nämlich mit etwa vier Jahren, als mein Grossonkel ganz plötzlich an einem Herzversagen starb. Etwa zwei Jahre später verstarb meine Urgrossmutter in hohem Alter und beide Male, ist mir das Bild als ich davon erfuhr, noch präsent als sei es gestern gewesen. Seither begletiet mich das Thema - im Guten wie im Schlechten. Nach wie vor habe ich grossen Respekt und Hochachtung vor diesem Teil des Lebens, vor allem aber auch vor all den Menschen, die diesen Schritt schon gegangen sind. Ob ich trotzdem angst habe? Nun, sagen wir mal die Ungewissheit führt bei mir nach wie vor zu einem mulmigen Gefühl, überwiegend spüre ich jedoch dieses grosse Vertrauen in mir - ein Vertrauen ins Leben und den Tod, aber auch ein Vertrauen und eine Neugierde in das, was danach kommen könnte. Trotzdem ist mir völlig bewusst, dass dieses grosse Loslassen ein Prozess der Transformation ist und die ist bekanntlich nie besonders leicht.

Dieses Jahr wurde vielen von uns auf sehr direkte Weise vor Augen geführt, dass das Sterben und der Tod ein Teil von uns allen ist. Und obwohl rund um die Welt ständig eine Vielzahl Menschen stirbt, ist das Thema selten so präsent, wie es dieses Jahr der Fall war. Die Medien waren und sind noch immer voll davon - von rasant ansteigenden Todeszahlen und reisserischen Schlagzeilen, so als sässe der Tod einem jeden Einzelnen im Nacken, so als könnte es uns alle jederzeit Treffen. Die Wahrheit ist, es kann jeden von uns jederzeit Treffen, doch daran ist kein böses Virus schuld, denn das ist am Ende nur eines von vielen möglichen Gesichtern, die wir unseren Ängsten geben. Stattdessen sollten wir uns endlich mal in unseren Allerwertesten treten und uns das ansehen, wovor wir gerne unsere Augen verschliessen: den Tod. Erst vor einigen Wochen, kam mir während einer tiefen Meditation folgender Gedanke:

"Wer sich vor dem Tod verschliesst, der verschliesst sich vor dem Leben."

Seither lässt er mich nicht mehr los, denn ich erkenne so viel Wahrheit und Sinn darin. Das bedeutet nicht, dass wir kopflos durchs Leben gehen und ein Risiko nach dem anderen jagen sollten. Vielmehr bedeutet es, dass wenn wir in der Lage sind den Tod als Teil unseres menschlichen Seins annehmen zu können, wir das Leben nochmals von eine ganz anderen Seite erfahren dürfen.


Der Tod ist nicht unser Feind

Dazu müssen wir allerdings erst einmal verstehen dass er Tod nicht unser Feind ist. Solange wir ihn aber als solchen betrachten, lassen wir uns von der eigenen Angst beherrschen. Diese wiederum mag eine gute Beraterin sein, ist aber bestimmt keine gute HerrinWie wir unsere Selbstbestimmtheit in dieser Hinsicht zurückerlangen können? Indem wir unserer Angst lauschen und uns bewusst machen, was sie uns denn eigentlich damit sagen möchte. Wenn wir unsere Ängste zum Thema machen, sie uns ins Bewusstsein rufen, dann verlieren sie ihre Macht über uns. Oder anders herum, dann erlangen wir mehr Selbstbestimmtheit. Daher nein, der Tod ist vieles, aber bestimmt nicht unser Feind. Seine Aufgabe ist es uns an unsere Grenzen zu führen und darüber hinaus. Ja, das macht angst. Die Frage allerdings lautet, lass ich mich davon beherrschen, oder transformiere ich sie in etwas, was mir dienlich ist? Zum Beispiel Mut? Am Ende ist er ein natürlicher Teil von uns und macht die Zeit, die uns im Leben geschenkt wird besonders wertvoll. Wie wäre es also, wenn wir ihn - wenn auch nur ab und zu - zur Tür hineinbeten und ihn zum Thema machen würden?
 
Was also lehrt uns der Tod ausser der Vergänglichkeit des Lebens? Er lehrt uns zu wachsen, er lehrt uns die verfügbare Zeit zu nutzen und er lehrt uns, wie zuvor schon erwähnt mutig zu sein unser Leben zu leben – vor allem aber auch es zu geniessen. Denjenigen unter uns, die offen sind für nicht materielle Welten lehrt er ausserdem, dass der Tod ein Ende, aber nicht DAS Ende ist – sondern viel mehr Transformation.
 
Ich glaube, aus diesem Grund gefällt mir auch das Anfangszitat, denn ja, ich stelle mir gerne vor, wie ich, wenn meine Zeit gekommen ist dem Tod begegne und dankbar bin für die Zeit, die mir geschenkt wurde. Gespannt auf das, wohin mich der Tod führen wird, wenn ich eine neue Art des Seins erfahren werde.

"Der Tod ist unser Lehrer und im Grunde genommen lehrt er uns zu leben."





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