Waldbaden, Shinrin Yoku oder doch einfach Utiseta?



Schon wieder so ein Modewort, das Waldbaden oder Shinrin Yoku, wie es im Japanischen heisst - denn was exotisch klingt, kann ja nur gut sein, oder etwa nicht? Waldbaden ist gesund, daran gibt es für mich keinen Zweifel, doch neu ist die Methode nicht. Zwar wurde Shinrin Yoku, was soviel heisst wie «ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen» im Jahr 1982 erstmals von Tomohide Akiyama als Begriff vorgeschlagen, doch erfunden hat er das Waldbaden natürlich nicht.
 
Dennoch können wir uns etwas von den Japanern abschauen, denn seit 1982 wird Waldbaden in Japan vom staatlichen Gesundheitswesen gefördert. Wo wir Europäer nach wie vor lieber blind 'ne Pille schlucken, als uns mit unserer natürlichen Gesundheit und der damit in Verbindung stehenden Natur zu befassen (warum sollten wir auch? Ist doch schön wenn der Herr Doktor die Verantwortung für einen übernimmt), werden in Japan natürliche Wege zur Vorbeugung und Gesundheitsförderung sogar staatlich unterstützt. Na wenn das nicht vorbildich ist. 

Utiseta - eine Europäische Variante

Dabei hat unser Sein in der Natur, unsere Verbindung auch hier eine lange Tradition. Schon die alten Germanen kannten das Draussensitzen, das Utiseta, welches eine Form tiefer Meditation, oder genauer gesagt, von Bewusstseinveränderung beschreibt. Zwar geht es bei Utiseta nicht zwingend um das Sein im Wald, kommt aber dieser völligen Hingabe an die Natur, diesem Eintauchen und Einswerden, ziemlich nahe. Oft lohnt es sich daher auch sich tiefergehend mit der eigenen Geschichte zu befassen und nicht nur mit Exotischem - obschon ich die Faszination dafür natürlich durchaus verstehen kann. Doch kommen wir zurück zum eigentlichen Thema. 

Warum lohnt es sich überhaupt ein Bad in der Natur und im Wald zu nehmen? 

In der Natur können Geist und Körper zur Ruhe kommen und Kraft schöpfen. Was Naturverbundene schon seit jeher wissen, beginnt allmählich auch die Wissenschaft zu vestehen. So konnte mittlerweile sogar erwiesen werden, dass nur schon ein Naturspaziergang von etwa 15 Minuten sich positiv auf Köper und Geist auswirken und dass Patienten, die im ein Zimmer mit Sicht in di Natur - zum Beispiel auf den Wald oder einen Garten - schneller genesen konnten, als solche mit keiner Sicht auf die Natur. Weiter ist mittlerweile auch bekannt, dass Naturverbundenheit bei der Vorbeugung von Depressionen förderlich ist, aber zum Beispiel auch bei Bluthochdruck. Kurz gesagt, sie fördert das Wohlbefinden und die Gesundheit und ist somit mehr als einfach "nett anzuschauen" (wobei das natürlich auch nicht zu verachten ist). 

Mach dein eigenes Ding 

Bäume umarmen - was für manche eine regelrechte Offenbahrung darstellt, beäugen andere eher skeptisch und sind geneigt es als Eso-Kram abzustempeln. Doch um Natur zu erfahren, muss man nicht Hand-in-Hand um einen Baum tanzen oder an Naturwesen glauben - wobei ich hier keinesfalls abstreiten möchte, dass die Naturwesen sich nicht darüber freuen würden. *g* Was ich damit sagen will ist, dass niemand sich zu verstellen braucht, etwas bestimmtes tun oder sich auf eine Weise verhalten muss, um von den Kräften der Natur gestärkt zu werden. Einfach hinausgehen in die Natur und uns auf sie einzulassen reicht völlig aus um Kraft zu tanken und unser Wohlbefinden zu steigern. 

Als naturverbundene Person ist es für mich ganz normal in die Natur zu gehen, sie aber auch zu mit nach Hause einzuladen. Sei es durch Blumen und Kräuter, durchs Essen oder einfach, weil ich mit einem Blick aus dem Fenster den Anblick eines wunderschönen Waldes geniessen darf. Die Natur lässt mich nicht nur erkennen, dass Wunder existieren, sie lässt mich dankbar sein für all das, was sie mir und uns allen schenkt. 

Daher kommt es gar nicht so sehr darauf an, ob du spazieren gehst, eine Wanderung unternimmst, oder dich zum hardcore Waldbaden begibst. Wenn du die Natur um dich herum allerdings besonders intensiv erfahren möchtest, dann kann ich dir raten sie ganz bewusst und möglichst mit all deinen Sinnen wahrzunehmen - oder anders gesagt, sie ganz einfach zu er-leben. Manchmal neigen wir dazu zu vergessen, dass es eigentlich gar keine Trennung gibt zwischen der Natur und Mensch. Wir vergessen, dass wir sehr wohl ein Teil von ihr sind und dass wir ganz natürlich und automatisch mit ihr in Resonanz gehen. 

Für welchen Weg du dich entscheidest dich in der Natur aufzuhalten und dich mit ihr zu verbinden, ist deine ganz persönliche Entscheidung. Aber mach dir selbst den Gefallen und lass dich darauf ein - deiner Gesundheit un deinem Wohlbefinden zuliebe. 

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