Angstfrei ins Glück: 3 Tipps zur Überwindung deiner Angst


 
Es gibt keine Grenzen. Weder für Gedanken, noch für Gefühle. Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt. - Ingmar Bergman 
 
Angst ist etwas Kurioses, nicht wahr? Sie hat uns oft sehr rasch und so stark im Griff, dass wir in angstvollen, oder gar panischen Situationen kaum mehr in der Lage sind klar zu denken, geschweige denn zu handeln. Wenn wir angst haben, dann wollen wir am liebsten weglaufen, oder uns irgendwo verkriechen wo uns nicht und niemand etwas anhaben kann. Dir in einer solchen Situation zu sagen, Panik sei nicht angebracht, wäre zwar nett gemeint, jedoch bestimmt kein Weg zur Lösung. Aber was wäre denn eine Lösung? Nun, meiner Erfahrung nach, und mit Angst habe ich tatsächlich so einige Erfahrung gemacht, bringt es nicht viel sie sich einfach wegzudenken, ganz im Gegenteil. Je mehr wir versuchen unsere Ängste zu unterdrücken, desto eher neigen sie dazu zum unbekannten, grossen Monster heranzuwachsen.

Was angst ist und was sie nicht ist

Was ist Angst überhaupt? Woher kommt sie und warum nervt sie uns in den denkbar ungelegensten Momenten? Als erstes kann ich dir sagen, dass du damit nicht alleine bist. Jeder Mensch, jedes Lebewesen kennt angst, das ist etwas ganz Natürliches und ja, sie hat durchaus ihren Zweck. Die Angst ist ein Selbstschutzsystem, welches Teil unserer genetischen Ausstattung ist und uns allen dazu dient zu überleben. Wenn wir Angst verspüren, dann sind ganz bestimmte Regionen unseres Gehirns aktiv und zwar zum einen die Amygdala, welche Teil des sogenannten Limbischen Systems und für die Gefühle zuständig ist. Zum anderen spielt das sogenannte Stamm- oder Reptiliengehirn bei Angst eine wichtige Rolle, denn dieses ist der älteste Teil unseres Gehirns und daher für überlebensnotwendige, grundlegende physiologische Vorgänge zuständig wie Atmung, Verdauung, aber auch für Instinkte und Reflexe. In letzterem stecken sozusagen auch unsere drei Notfallprogramme: Flucht, Angriff und Erstarrung oder Totstellen.

Diese springen an, wenn die Amygdala unserem Stammhirn Gefahr signalisiert. Daraus wiederum gehen oft körperliche Signale wie Nervosität, Schweissausbrüche, Herzrasen, aber auch Unruhe und Nervosität, bis hin zu Schwindel und Übelkeit hervor. Kurz gesagt, unser Körper reagiert mit Stress. In einer Lebensbedrohlichen Situation dient das alles dazu unser Überleben zu sichern in dem wir daraufhin eben entweder vor der Situation flüchten, wenn wir das Bedrohliche angreifen, oder wie wir es oft noch in der Tierwelt beobachten können, wenn wir uns totstellen. 

 

Berechtigte Angst?

Die erste Frage bei Angst oder gar Panik sollte daher lauten: Ist diese berechtigt? Befinde ich mich gerade tatsächlich in einer lebensbedrohlichen Situation? Falls ja, dann könnte dir eine der drei oben erwähnten Reaktionen das Leben retten. Viel öfters ist es aber der Fall, dass unsere Ängste heute unbegründet oder zumindest zum Teil unbegründet sind. Es gibt kaum mehr Situationen, in denen unser Leben oder das unserer Liebsten gerettet wird in dem wir angreifen, fliehen oder uns totstellen.

Tipps um deiner Angst zu zeigen, wo es langgeht

Du kennst vielleicht das Sprichwort “Geld ist ein guter Diener, aber kein guter Herr”? Nun ich habe es ein wenig abgewandelt, denn es passt genauso zur Angst: "Angst ist eine gute Dienerin, aber keine gute Herrin."  Was also kannst du tun um besser mit deiner Angst umzugehen, sodass du sie im Griff hast und nicht umgekehrt?


Reality-Check
Der Realiätscheck hilft dir dabei deine Ängste besser einzuschätzen. Frage dich: Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Wie wahrscheinlich ist es, dass das Schlimmste eintritt? Gerade in der aktuellen Pandemie ist das nicht immer einfach, nicht wahr? Dennoch können wir vieles mitbeeinflussen. Was das zum Beispiel sein kann? Nun, viele unserer Ängste beruhen weniger auf einer aktuell immanent bedrohlichen Situation, sondern viel mehr auf der Vorstellung, was alles schief gehen oder gefärlich werden könnte. Eine der grössten Quellen, die diese Gedanken fördern sind die Medien.
Was wird denn da täglich berichtet? Sind die Informationen ausgewogen, oder eher einseitig? Kennst du sie schon? Oft wird in den Medien sehr einseitig und sensationsgetrieben berichtet, das scheint ihre Aufgabe zu sein. Wir aber haben die Wahl, ob wir uns täglich und manchmal sogar mehrmals täglich damit beschäftigen wollen oder nicht. Wenn wir bewusst entscheiden, mit was wir unseren Geist füttern wollen, dann können wir auch mitentscheiden wie viel Angst, oder eben Zuversicht wir in unseren Alltag einlade möchten. Der Reality-Check beruht daher auf dem Bewusstwerden der gegenwärtigen Situation. Stehst du gerade vor einem hungrigen Löwen? Wenn ja, dann könnte er dir durchaus gefährlich werden. Greifft dich das Virus in deinem Haus aus dem Hinterhalt an? Das wiederum ist eher unwahrscheinlich, doch in den Medien scheint es manchmal fast so. Daher ist der Reality-Check so wichtig. Er zieht uns aus Gedankenstrudeln heraus, mit denen wir unsere Ängste anheizen.
 
Perspektivenwechsel - Gib deiner Angst ein Gesicht
Eine weitere wunderbare Möglichkeit mit deinen Ängsten umgehen zu lernen ist der Perspektivenwechsel. Vor noch nicht allzulanger Zeit habe ich gelernt meiner eigenen Angst ein Gesicht zu geben. Warum das wertvoll ist? Ganz enfach, Ängste haben auch sehr viel damit zu tun, wie wir eine Situation betrachten, aber auch wie wir die Angst  selbst betrachten. Versuchen wir mal etwas kreativer an die Situation heranzugehen. Wenn sie physische Gestalt annehmen könnte:
 
  • Wie würde deine Angst aussehen?
  • Wie würde sie heissen?
  • Was wäre ihr Charakter?
Zum Beispiel: Meine heisst Angsta Schreckbold. Ihre Grösse variiert je nachdem, wie sehr sie sich Gehör verschaffen will. Meistens labert sie in solchen Situationen meinen Kopf voll und ja, sie klammert dann jeweils ganz gerne. Meine Angst kennt einige Tricks, wie sie mich dazu bringen kann das zu tun, was sie von mir haben will. Mittlerweile kenne ich ihre Tricks aber immer besser und sie hat kaum mehr Gelegenheit mich zu manipulieren.

Gefühlscheck - Was will mir die Angst sagen?
Wie zuvor schon erwähnt wollen Ängste uns etwas mitteilen. Sie sind unsere Sicherheitspolizei und nehmen ihre Aufgabe sehr ernst. Manchmal auch etwas zu ernst, dennoch ist es kontraproduktiv, wenn wenn du deine Angst versuchst zu ignorieren, denn dann versucht sie sich im Normalfall nur noch mit extremeren Mitteln Gehör zu verschaffen. Nimm dir einen Moment Zeit und akzeptiere sie einfach für das, was sie ist. Wir dürfen angst haben, das ist nichts Verwefliches. Die Frage ist allerdings, was mache ich daraus? Wie gehe ich mit meiner Angst um? Lass ich mich von ihr beherrschen oder sage ich ihr ganz einfach:  Liebe Angst, es ist völlig in Ordnung, dass du dich derzeit bemerkbar machst und ich weiss deine Besorgnis zu schätzen. Ich lasse mich auch gerne von dir beraten, aber am Ende entscheide ich ganz bewusst und mutig, wie ich mit der Situation umgehen.

Übe dich in Achtsamkeit und lerne Entspannungstechniken 
Und zum Schluss habe ich dir noch einen Bonustipp. Alleine schon mit unserer Atmung können wir unsere Ängste beeinflussen, doch dafür müssen wir uns unserer Sorgen und Ängste erst einmal bewusst werden und sie zulassen. Zulassen heisst übrigens nicht, dass wir sie gutheissen, sondern schlichtweg, dass wir sie wahrnehmen und genau da beginnt die Achtsamkeit. Wenn du nächstes Mal spürst, dass die Angst in dir aufsteigt, nimm dir einen Moment Zeit und frage dich: Wie fühle ich mich? Was macht die Angst mit mir? Ist es dir möglich trotz Unsicherheit wieder in meine innere Mitte zu finden? Gerade im Bereich Achtsamkeit und Entspannung gibt es viele Möglchkeiten mit der eigenen Angst umgehen zu lernen.


„Angst liegt nie in den Dingen selbst, sondern darin, wie man sie betrachtet.“ – Anthony de Mello

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