Am Anfang war der Urklang


Wie klingt die Stille?

Obwohl für unser Gehör in der Stille kein Klang wahrnehmbar ist, so wäre es dennoch falsch anzunehmen, Stille besässe keinen Klang. Das ist ein Widerspruch? Nicht unbedingt, zumindest dann nicht, wenn wir davon ausgehen, dass alles im Universum in einer bestimmten Frequenz schwingt. In manchen Kulturen unserer Welt entstand das universum durch den Urklang (urKNALL). So heisst es im Schöpfungsmythos des tantrischen Hinduismus zum Beispiel, dass sich das Universum aus dem berühmten OM, der einen Urschwingung entfaltet hat. Sogar in der christlichen Bibel beginnt alles mit dem Klang, denn "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott." so zumindest steht es im Evangelium nach Johannes. Selbst in der nordischen Mythologie ist von Klang die Rede, oder besser gesagt eine Klangwelle. So steht in der Edda das "Lied der Seherin", welches folgendermassen beginnt:

Ár var alda
þar er Ýmir bygði,

Übersetzung
Am Beginn war Zeit/Leben oder Welle
wo Klang aufbaute


Bisher wurde gerne angenommen, dass das Wort "alda" der ersten Zeile von "aldr" (=Leben, Zeit, Alter) abgeleitet sei. Allerdings übersetzte die skandinavische Religionshistorikerin Maria Kvilaugh diese ersten beiden Zeilen anders, als bisher, denn alda im altnordischen bedeutet auch Welle. Diese Zeile liesse sich demnach folgendermassen übersetzen: 

Ár - Am Anfang
var - war
alda - Nomen fem. sg. - Welle

Dies, nur um ein paar mögliche Beispiele aufzuzeigen. Doch warum Klang als der Beginn allen Lebens betrachten? Ganz einfach, Klang ist die erste wahrnehm­bare Manifestation des Unsichtbaren. Es liegt daher nahe den Klang als Ursprung des Lebens zu erkennen. 

Auch die Wissenschaft holt langsam auf

Wie tief Klang und daher natürlich auch Musik und Gesang in uns verwurzelt ist, lässt sich sogar immer häufiger durch wissenschaftliche Studien beweisen, denn viele davon zeigen, dass Patienten, die zum Beispiel einen Schlaganfall erlitten haben, oder auch Menschen, die unter Demenz leiden, oft dennoch problemlos musizieren können, auch dann, wenn sie die Fähigkeit der Sprache schon verlernt haben. Ganz ähnlich verhält es sich bei Menschen, die stottern, jedoch nach wie vor problemlos ohne zu stottern singen können. Da scheint also irgendwo noch etwas anderes vorhanden zu sein, etwas, das tiefer reicht und einen anderen Teil unserer Fähigkeiten und des Gehirns aktiviert.

Klang und Spiritualität

Auch in meiner spiritualität nimmt Klang einen wertvollen Platz ein. Sei es, weil ich während meiner Rituale tanze, weil ich chante oder selbst musiziere. Gerade in meiner Achtsamkeitspraxis liebe ich es mit Klangschalen und sanfter Meditationsmusik zu arbeiten. Nicht zu vergessen die Nutzung des Klangs während meiner schamanischen Reisen, die Trommel ist mir währenddessen eine treue Begleiterin. Doch nicht nur während meiner spirituellen Arbeit, sondern auch in meinem Alltag hilft mir Klang dabei in den "Flow" zu kommen. Er hilft mir mich zu verbinden und mein Bewusstsein zu erweitern. Er hilft mir aber genauso bei der Stressreduktion, beim Entspannen und beim Verwurzeln mit der Erde unter meinen Füssen.

Klang in deinem Alltag

Wo hörst du den Klang des Lebens? Wo und wie integrierst du ihn in deinem Alltag? Vielleicht auch in einem Ritual, vielleicht auf dem Weg zur Arbeit, oder bei einem Spaziergang in der Natur? Es gibt viele Wege und Möglichkeiten diesen ursprünglichen Urklang, der auch heute  noch alles belebt bewusst wahrzunehmen und dich darauf einzustimmen. Übringens hat jeder von uns auch seinen ganz persönlichen Klang, damit meine ich nicht nur die Stimme, sondern bestimmte Melodien, die sich für uns stimmig anfühlen. Vielleicht begibst du dich mal auf die Suche nach deinem ganz persönlichen Klang?

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