Zeitgenössisch schamanisch


Auf meinem Weg haben mich viele Menschen geprägt, in Sachen schamanische Praktiken schätze ich bis heute ganz besonders die Worte und Videos von Lars Köhne, die Bücher von Jennie Appel und Dirk Grosser, sowie die wunderbaren Lehren der Anette von Tunritha, nicht zu vergessen das Wissen von Wolf-Dieter Storl, welches ebenfalls sehr oft schamanische Elemente enthält. Warum gerade diese drei mir aus dem Herzen sprechen? Weil sie authentisch sind. Das ist das, wonach auch ich strebe, nach einem authentischen, spirituellen Pfad. Mein Weg war schon immer schamanisch geprägt, doch das was ich unter schamanisch verstehe, versteht selbstverständlich nicht jeder gleich. 

Zu vielen bekannten Begriffen formen wir im Laufe unseres Lebens innere Bilder - “Klischees” könnte man auch sagen, die mehr oder minder mit der Realität übereinstimmen. Und das Bild des Schamanen? Nun ja, ich finde es ist in der heutigen Zeit oft etwas überholt. Weder während meines alltäglichen Lebens, noch während meiner Rituale laufe ich in Gewändern mir fremder Völker herum - obschon manche davon zugegebenermassen schon ganz schön cool aussehen - aber darum geht es nicht. Ich spiele keine schamanisch Praktizierende, ich lebe meine Lebensphilosophie authentisch und das bedeutet, dass ich mich mit dem Boden unter meinen Füssen, der Natur um mich herum und mit den Geschichten und Bräuchen meiner Heimat verbinde. 

Das wiederum bedeutet allerdings nicht, dass ich in alten Geschichten verharre und mühselig versuche fast Vergessenes, aus längst überholter Zeit wiederzubeleben, nein. Es bedeutet, dass ich die Weisheiten dieser Geschichten, die schon Generationen meiner Ahnen kannten und sie durch ihre Leben begleiteten, ebenso ehre - allerdings auf meine ganz persönliche, zeitgemäße Weise. Ich wünsche mir daher keine romantisierten, alten Zeiten zurück, sondern webe diese uralten Weisheiten in meinen modernen Alltag mit ein. Wie das aussehen kann? Zum Beispiel in dem ich in meinen Alltag Momente webe, in denen ich mich ganz bewusst mit Mutter Natur verbinde. 

"Bäume sind weise Wesen und sind unsere Lehrer. Sie leben in der Stille, sind Meister der Meditation." - Wolf-Dieter Storl

Dafür braucht es noch nicht einmal zwingend stundenlanges Meditieren im Wald oder am Wasser, es reicht tatsächlich auch schon im Homeoffice morgens das Fenster zu öffnen und all die wunderbaren Vogelgesänge und das Rauschen der Bäume im Wind wahrzunehmen. Es reicht auch in der fünf Minuten Pause unter den Baum vor dem Office zu sitzen und meinen “Znüni” zu geniessen, oder aber mir zumindest die Zeit zu nehmen ihn vom Fenster aus achtsam wahrzunehmen. Selbst auf dem Weg zur Arbeit können sich wunderbare Gelegenheiten bieten und zwar selbst dann, wenn wir auf diesem kein Stück Natur sehen, oder das, was wir heute als Natur bezeichnen. Denn siehst du, da stimme ich nicht ganz mit manch anderer Meinung überein, ich sehe kein Getrenntsein von Natur und Zivilisation oder Stadt. Für mich gehört alles zur Natur, mit der Ausnahme, dass einiges davon ursprünglicher ist, während das andere, nun sagen wir, von uns Menschen weiter bearbeitet wurde. Am Ende ist es nicht wichtig, ob ich mich zu mancher Tageszeit in einem Betongebäude befinde, oder im Auto zur Arbeit fahre, statt zu Fuss zu gehen. Am Ende ist allein die Balance entscheidend. 

Die Frage lautet also viel eher, bringe ich Ausgleich in meinen Alltag? Für mich sind daher auch schamanische Praktiken nichts Verstaubtes, die es vor vielen Jahrhunderten einst gab und in der modernen Welt in Vergessenheit geraten ist. Für mich sind schamanische Lebensweisen durchaus zeitgemäss, sie haben sich weiterentwickelt und angepasst, doch sie sind nach wie vor sehr lebendig. Im Schamanismus geht es oft um Kraft, im Sinne von Energie. Meine Frage in Bezug auf schamanisches Wirken könnte daher lauten: Wie kann ich Energie in mir oder um mich herum ausgleichen? Solche "Übersetzungen" in moderne Zeit macht für mich den authentischen, zeitgenössisch gelebten Schamanismus aus.

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