Warum «scheiss drauf» das spirituellste Mantra überhaupt ist


Wenn du dir einen spirituellen Menschen vorstellst, welches Bild hast du dann vor Augen? Vielleicht eine in sich ruhende Person, die im Schneidersitz zur Erleuchtung findet? Ja, dieses Bild des stehts in sich Ruhenden, kennen wir alle, nicht wahr? Wenn ich über die Jahre allerdings eines gelernt habe, dann ist es, dass das grösste Potential spirituellen Wachstums nur selten während angenehmer Ruhephasen stattfindet. Viel öfter findet das Wachstum dann statt, wenn wir uns gerade durch scheinbar unlösbare Herausforderungen kämpfen. Wenn das Leben so richtig besch*** ist und wir uns fragen, wozu das ganze eigentlich gut sein soll. Kurz gesagt, spirituelles Wachstum ist selten Bilderbuchtauglich. Es beginnt da, wo wir den Mut aufbringen weiter zu schauen, als wir es bisher je gewagt hatten und es beginnt da, wo wir uns, trotz unserer Berfürchtungen und Ängste, dazu entscheiden unserer Intuition zu vertrauen. 

Ich habe mir früher vieles sehr schnell sehr zu Herzen genommen. Ein Teil ist sicher meiner Hypersensensitivität zuzschreiben, der andere Teil schlichtweg meiner damaligen Ahnungslosigkeit, wie ich mich auf gesunde Weise abgrenzen kann. Ich wollte dazugehören, Teil einer Gemeinschaft sein und war überzeugt das geht nur, wenn mich auch wirklich alle, immer mögen. Ja, ich weiss, unmöglich - lach ruhig drüber, das tue ich heute auch. Damals war das für mich allerdings todernst. Ich bemühte mich, tat einfach alles um gemocht zu werden und hatte ständig angst etwas falsches zu tun, nicht zu genügen und schlussendlich eben nicht gemocht zu werden. Ich kann dir sagen, das war äusserst anstrengend und kraftraubend. Vor allem aber war es nicht erfolgreich. Wie auch? Schliesslich müsste man dafür jeden Menschen erst einmal kennen und dann auch noch jeden einzelnen dazu bringen einen zu mögen. Phu! Logisch, dass das nur im Frust enden konnte. 

Damals, in einem solchen Moment des Frusts, irgendwo zwischen Verzweiflung und Vertrauen gelangte ich an ein Buch. Es hiess Fuck it: Do what you love von John C. Parkin (auf Deutsch heisst es Fuck it: mach nur noch was du gerne tust). Es unterstütze mich dabei mein Leben optimistischer zu gestalten, neue Perspektiven zu formen, schlichtweg fröhlicher und lockerer meinen Alltag zu bestreiten. 

Heute erinnerte ich mich wieder daran, also suchte ich in meinem Bücherregal danach, nahm es zur Hand und begann darin zu lesen. Ich musste schmunzeln, denn es ist humorvoll und ermutigend geschrieben. Und beim Lesen fiel mir auf, wie viel davon mich bis heute begleitet. Auch wenn ich das Buch schon seit einer ganzen Weile nicht mehr gelesen habe, doch dieses Mantra - wenn auch in etwas abgewandelter Form, nämlich eben als scheiss drauf - ist bis heute sehr präsent in meinem Leben. Es erinnert mich daran, dass genau in diesem Moment, wenn ich aus vollem Herzen ein scheiss drauf rufen kann, genügend Mut da ist um das zu wagen, was ich bisher noch nie gewagt habe. 

Aber warum ist es eigentlich das spirituellste Mantra überhaupt, oder sagen wir, eines der spirituellsten?

Drauf zu scheissen hilft loszulassen

Et voilà! Wenn wir auf etwas scheissen, dann teilen wir dem Universum mit, dass wir voll und ganz bereit sind loszulassen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass wir wirklich drauf scheissen, oder oder uns zumindest eingestehen es ehrlich zu versuchen. Im Bereich der Achtsamkeit gehört es zu einer der sieben Grundhaltungen, nämlich zum nicht greifen. Und auch in der Buddhismus allgemein steht das Thema Leid stark im Zusammenhang mit Anhaftung. Vom Leid lösen kann man sich hingegen durchs Aufgeben der Anhaftung, also durch Loslassen. Scheiss drauf ist folglich kein Ausdruck der Abneigung oder Abwertung und auch keiner der Respektlosigkeit. Scheiss drauf ist ein Ausdruck der Freiheit. des Mutes und Optimismus. 

Aber überzeug dich gerne selbst. Hast du es schon einmal versucht? Hast du schon mal ein beherztes Fuck it oder scheiss drauf rausgelassen, als du dich deinen Ängsten gestellt hast? Das muss nicht laut sein, aber von ganzem Herzen kommen, dann wirkt es am besten, dann können wir unsere Ängste und Unsicherheiten mit voller Überzeugung loslassen und uns stattdessen dem Vertrauen hingeben. Uns sozusagen für die beste und schönste Möglichkeit öffnen. Natürlich kannst du dieses Mantra auch singen, wenn du magst. Vielleicht nicht gerade in der Öffentlichkeit, wobei ...  warum eigentlich nicht? Vielleicht magst du folgende Melodie dazu verwenden?  Fuck it all. Und wenn du dabei nicht nur dich, sondern auch dein Umfeld zum Lachen bringen kannst, dann hat die Angst ohnehin keine Chance mehr.

 

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