Zufrieden sein auch in schwierigen Lebensphasen

Vor kurzem wurde ich gefragt, wie es denn gehen soll auch in besonders schwierigen Phasen zufrieden und glücklich zu sein. Zum Beispiel dann, wenn man gerade mit einer Krankheit kämpft, die mehr oder weniger Permanent ist, oder sich zumindest über sehr lange Zeit ziehen könnte. Nun, genau da liegt ja die Kunst, denn wenn unser Leben gerade unbeschwert ist, dann ist es in den meisten Fällen auch nicht besonders schwierig glücklich zu sein. Doch wie soll das zum Beispiel nach Schicksalsschlägen gehen? Wie, wenn ein jahrelanger Traum, auf den man jahrelang hingearbeitet hat, sich einfach in Luft auflöst? Wenn man den Job verliert, oder die Beziehung in die Brüche geht? Wie also soll man zufrieden sein, wenn es gerade so richtig besch*** läuft?


Ein Beispiel aus meinem eigenen Leben gefällig?

Im vergangenen Winter war ich über längere Zeit im Spital. Die ersten paar Tage wusste ich noch nicht mal so richtig, was das Problem war. Was ich wusste war, dass es mir nicht gut ging und dass mich mein Hausarzt schnellstmöglich in die Notaufnahme überwiesen hatte. Da sass ich nun - ich war zuvor noch nie im Spital, war noch nie “schwer” Krank und ... ich bin hochsensibel. Solltest du jetzt etwas Mitgefühl mit mir haben, dann danke ich dir dafür, doch darum geht es mir nicht. Es geht nicht darum, wie schlecht es mir in diesem Moment ging. Es geht um den Moment, als mir klar wurde, dass ich eine Wahl habe. Ich hatte Schmerzen, ja. Ich hatte Angst, ja. Und ja, es war eine schwierige und ungewisse Situation für mich. Dennoch hatte ich die Wahl, ob ich darunter leiden wollte oder ob ich mich dazu entscheiden wollte, trotz allem möglichst zufrieden zu sein. Als ich diese Entscheidung bewusst traf, änderte sich alles. Die Situation war noch immer schwierig für mich, doch meine Sichtweise drauf änderte sich und mit ihr die Art und Weise, wie ich damit umging. Für mich persönlich waren dabei vor allem drei Punkte besonders wertvoll und die will ich dir jetzt näher erläutern.

Schwierige Situationen annehmen

Mir hat es in einem ersten Schritt geholfen, mir  darüber klar zu werden, was in meiner  Macht zur Veränderung steht und was nicht. Gerade für Menschen, die ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit und folglich nach Kontrolle haben, ist das besonders herausfordernd. Dennoch ist es wichtig sich darüber Gedanken zu machen, denn schwierige Situationen verlangen viel Kraft von uns ab. Umso wichtiger ist es in solchen Situationen die eigenen Kraftreserven dafür zu verwenden, worauf wir Einfluss haben und sie nicht für Dinge zu verschwenden, die gar nicht in unserer Macht stehen. Eine Situation annehmen lernen wie sie ist bedeutet loszulassen, was uns unnötige Kraft raubt. Wenn du dich gerade in einer schwierigen Lebensphase befinden solltest, frage dich doch mal wo dein Handlungsspielraum ist und wo sich seine Grenzen befinden. 

Authentisch fühlen lernen

In einem zweiten Schritt ist es wichtig sich bewusst zu machen, dass man sich in einer Lernphase und einem Prozess befindet. Es kann sehr gut sein, dass es dir nicht jeden Tag gleich gut geht. Und ja, es wird Tage geben, in denen es dir richtig besch*** geht. Aber das ist ok! Es darf dir auch mal schlecht gehen, du darfst traurig, wütend, enttäuscht und verängstigt sein. Lass diese Gefühle zu, nimm dir bewusst Zeit und fühle sie in ihrer vollen Stärke - dann lass sie gehen.

Andersherum geht es dir vermutlich auch nicht jeden Tag gleich schlecht. Erlaube dir die guten Momente so sehr auszukosten, wie möglich. Mach ein kleines Fest daraus, schreibe dir deine Gefühle in diesen Momenten auf, was du erlebst und wie es dazu kam. Du kannst dir auch aufschreiben wofür du gerade dankbar bist, denn Dankbarkeit unterstützt unsere Zufriedenheit.

Vielleicht hast du sogar eine längere Phase in der es dir besser geht und dann kommt auf einmal ein Rückschlag. Auch das ist ok! Rückschläge gehören zum Leben dazu. Sie zeigen, wie fälschlicherweise oft gedacht, keine Schwäche, sondern unsere wahre Stärke. Du kannst dich noch ans Annehmen der Situation von vorhin erinnern? Nimm deine Rückschläge an und wandle sie um in eine wertvolle Lebenslektion und blühe daraus auf, wie ein Superheld! 
 

Eine Frage der Perspektive

Jeder Mensch bildet sich im Laufe seiner Kindheit eigene Denk- und Handlungsmuster. Diese helfen uns dabei unseren Alltag zu bewältigen. Grundsätzlich sind diese Muster gut, schliesslich unterstützen sie uns. In manchen Situationen wenden wir diese Denk- und Handlungsmuster aus Gewohnheit an um eine Situation zu bewältigen, die sich jedoch auf eine neue Weise viel leichter bewältigen liesse. Wenn uns das passiert, wir also zum Beispiel ununterbrochen darüber sprechen, wie schlecht es uns geht, oder dass das alles ja ohnehin keinen Sinn hat, dann stehen wir uns selbst im Weg. Wir sehen dann gar keinen anderen Weg mehr, weil wir es schliesslich bisher immer nur so handhaben konnten. Das ist unsere Art und Weise mit Schwierigkeiten umzugehen. Nur, wie eben schon erwähnt, sind sie nicht immer hilfreich.

In solchen Situationen ist ein Perspektivenwechsel wertvoll und ein Blick aufs Thema Optimismus. Wie könntest du denn deine Situation mal von einer anderen Seite betrachten? Kannst du dir vielleicht vorstellen, wie jemand anderes - jemand den du bewunderst - mit der Situatio umgehen würde? Du kannst aber auch gewisse Dinge bewusst anders angehen. Zum Beispiel Gewohnheiten, die du hast, mal bewusst anders machst, dich anders verhälst, etwas andres antwortest. Versuche dabei offen und unvoreingenommen zu bleiben, deine Möglichkeiten sozusagen neugierig zu erkunden. Einfach mal zu schauen, was passiert. Vielleicht erkennst du dadurch sogar, dass es noch andere Möglichkeiten gibt, mit schwierigen Situationen umzugehen? Dabei darfst du deiner Kreativität ruhig freie Hand lassen. Deine Sichtweise zu ändern hilft dir aus diesen oft starren Denk- und Handlungsmustern auszubrechen und schlussendlich neue Lösungswege zu finden, die dir hilfreich sein können. 

Zum Schluss möchte ich dir noch folgende Worte mitgeben. Erinnerst du dich ans Bild ganz zu Beginn? An die Treppe? Wo stehst du auf dieser Treppe? Und wohin gehst du auf dieser Treppe? Du entscheidest, ob du sie hinunter oder hinauf gehst. Ob du stehen bleibst, eine Pause machst, oder das Geländer hinterrutschst. Doch ganz egal für was du dich entscheidest, ob du mit deinem Handeln zufrieden bist oder nicht, liegt in deiner Hand.

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