Toxische Positivität vs. opitimistisch leben, oder: warum think positive keine Lösung ist


Angebote zu Themen des Glücks sind verbreiteter denn je und das ist gut so. Schliesslich zeigt unsere Gesellschaft sehr deutlich auf, wie viele Menschen sich heutzutage fühlen wie in einem Hamsterrad, wie fremdgesteuert, die ausgebrannt sind und einfach nur müde von der heute gängigen Lebensweise. In solchen Situationen auf Entdeckungsreise zu gehen um herauszufinden was persönliches Glück und Wohlbefinden denn für einen überhaupt bedeutet ist ein Zeichen der Selbstbestimmung und Stärke. Wie auf jeder Entdeckungsreise gibt es allerdings auch zu Themen des Glücks immer wieder mal Stolpersteine. Einer, der uns allen auf diesem Weg früher oder später begegnet ist die Stolperfalle des Positiven Denkens.

Gut gemeinte Lebensmottos wie "good vibes only" oder "ich denk halt immer positiv" klingen zwar schön, sind in ihrer Umsetzung im echten Alltag jedoch absolut utopisch. Kein Mensch fühlt sich ausschliesslich glücklich, ist immer gut drauf oder verhält sich immer optimal. Es gibt nun mal Tage, an denen geht es uns nicht gut und dann haben wir schlichtweg auch keine Kraft es so aussehen zu lassen als ob. Oder anders gesagt, wenn wir in solchen Momenten so tun als ob, belügen wir nicht nur unser Umfeld, sondern meistens auch unsselbst. Das wiederum bedeutet wir verlieren an Autentizität, verlieren den Bezug zu uns selbst und schlussendlich auch den Benefit, den wir uns von einem glücklich gestalteten Leben ja eigentlich erhoffen. Damit uns das nicht passiert, ist es essentiell den Unterschied zwischen toxischer Positivität und einer authentischen, optimistischen Lebensweise zu verstehen. 

Was ist toxische Positivität?

Toxische Positivität ist ein Zustand der Verleugnung und entwertet authentische emotionale Erfahrungen bzw. lässt sie gar nicht erst zu. Dieser Zustand ist deshalb schädlich, weil er uns suggeriert, dass etwas mit uns - in diesem Fall unseren Gefühlen und Emotionen - nicht in Ordnung wäre. Diese Sichtweise führt dazu, dass vorhandene Gefühle weggeschoben und verdrängt werden, weil wir sie als "nicht gut"  bewerten und das ist es, was uns am Ende tatsächlich schadet. Dieses Verhalten kann sich sowohl gegen uns selbst, als auch gegen unsere Mitmenschen richten, zum Beispiel in dem wir einem Freund einen gut gemeinten Rat geben wie "das ist doch alles nicht so schlimm" oder "denk doch einfach positiv". Auch wenn solche Aussagen durchaus ermutigen sollen und wir alle sie vermutlich schon gehört, oder sie selbst zu lieben Freunden gesagt haben, wäre es gesünder unseren Mitmenschen zu zeigen, dass sie ihre Gefühle authentisch fühlen dürfen. Wenn wir das tun, zeigen wir unserem Gegenüber, dass wir seine Gefühle und Emotionen ernst nehmen, dass nichts Falsches daran ist, eine schwierige Phase zu durchlaufen und dass wir unser Gegenüber auch dann voll und ganz annehmen, wenn es nicht "gut drauf" ist. Dieses Verhalten stärk unseren Gesprächspartner und ist unheimlich wertvoll.

Warum der Begriff des Optimismus gesünder ist

Anstatt "gut zureden" zu wollen, wäre es daher gesünder uns selbst, wie auch unserem Umfeld diesen Raum zu lassen. Wenn wir uns das vornehmen wollen und statt toxischer Positivität tatsächlich nach einer mental gesünderen Lebensweise streben möchten, dann lohnt es sich, dass wir uns etwas genauer mit dem Thema Optimismus befassen. Doch was bedeutet Optimismus eigentlich?

Optimismus ist eine bestimmte Lebensauffassung, die nicht nur förderlich ist für unser Wohlbefinden, sondern auch erlernbar. Eine optimistische Lebensweise ist eine zuversichtliche Lebensweise, die unter Anderem die Fähigkeit mit sich bring schwierige Lebensphasen anzunehmen wie sie sind, ohne daran zu zerbrechen. Sie ist deshalb so wertvoll, weil sie das Unangenehme nicht ausschliesst oder gar verdrängt, allerdings lässt sie sich davon auch kein allgemein schlechtes Leben diktieren. Die aktuelle Situation ist scheisse? Ja, durchaus und das ist nervig, traurig, macht uns wütend und für einen Moment vielleicht sogar hilflos. Wenn wir jedoch eine optimistische Sichtweise in unser Leben einladen, dann ist uns auch bewusst, dass schwierige Phasen im Leben nur vorübergehend sind. Dass es trotz der unangenehmen Situationen auch viel gutes gibt. Kurz gesagt: in einer optimistische Betrachtungsweise ist Raum für alles.

Aus diesem Grund ist es wertvoll und wichtig diesen Unterschied zwischen Positivem Denken und Optimismus zu machen. Aus diesem Grund ist es wichtig zu verstehen, dass negative Gedanken oder das, was wir als schlechte Gefühle bezeichnen durchaus ihre Daseinsberechtigung haben und dass es noch lange nicht bedeutet, dass wir nicht trotzdem grösstenteils glücklich und zufrieden sein können.

Hast du dir deine Gedanken dazu schon mal genauer angeschaut? Wie sprichst du mit dir und anderen? Und könnte eine optimistische Sichtweise aufs Leben deinen Alltag besser machen? Diese und noch viele weitere Fragen zum Thema halte ich für sehr wertvoll. Sie sind wie kleine Goldstücke auf dem Weg zu mehr Glück und Wohlbefinden in unserem Alltag. 

0 Comentarios

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.