Vom Wert eigener Grenzen und dem Werteglück


Das Thema eigener Grenzen ist vielfältig und obwohl es auch hinsichtlich unseres Wohlbefindens ein wichtiges Thema ist, fällt es vielen Menschen schwer gesunde Grenzen zu setzen. Nicht nur, aber gerade für uns Frauen scheint es oft besonders herausfordernd zu sein. In vielen Fällen stecken hier festgefahrene Denkmustern dahinter, die uns suggerieren gefallen zu müssen, aufopfernd zu sein, das Wohl aller  anderen vor unser eigenes zu stellen und versteh mich hier bitte nicht falsch: fürsorglich und mitfühlend zu sein sind wunderbare Attribute und ja in manchen Fällen müssen wir auch mal zurückstecken, keine Frage. Wenn dieses 'auch mal' allerdings zum 'immer öfter' oder gar zum 'ständig' wird, wenn es zur regelrechten Aufopferung für andere wird, wenn wir das Wohl aller anderen immer vor das eigene stellen und uns am Ende womöglich selbst gar nicht mehr spüren können, dann sind wir weit von gesund entfernt.

Grenzen setzen ist nicht immer einfach, einverstanden. Allerdings haben es viele von uns schlichtweg nie richtig gelernt.  Wie auch? Wir lernen uns im Laufe unseres Lebens anzupassen, um dabei zu sein, um dazu zu gehören und bestehen zu können und ja, auch das ist eine wichtige Fähigkeit. Eine, die ein wichtiges Bedürfnis des Menschen deckt, nämlich das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Gemeinschaft. Aber wie schon Paracelsus in einem andren Zusammenhang einst sagte: "Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei." Damit hatte er recht, denn es kommt immer auf die richtige Dosis, auf den Ausgleich darauf an und wenn wir nicht lernen unsere Grenzen auf gesunde Weise zu setzen, auch mal nein sagen zu können und dazu zu stehen, dann ist das für uns Gift. Daher ist es wichtig, dass wir lernen abzuschätzen, bis zu welchem Punkt unsere Anpassung, unser 'Ja' das Wohlbefinden fördert und wo es beginnt uns zu schaden. Und übrigens kann Grenzen setzen viele Formen annehmen, es bedeutet nicht nur 'nein' sagen zu können. Es kann durchaus auch so aussehen:

  • Ich darf meine Gefühle fühlen und ausleben
  • Ich bin gut so wie ich bin
  • Niemand muss meiner Meinung sein
  • Ich kann meine Meinung jederzeit ändern
  • oder auch: Ich stehe zu meiner Meinung
  • Ich entscheide wann genug ist
  • Ich übernehme die Verantwortung für mich
  • Ich übernehme nicht die Verantwortung für meine Mitmenschen
  • Meine Bedürfnisse zu priorisieren ist nicht egoistisch, sondern wichtig und gesund

Warum Grenzen setzen zu mehr Wohlbefinden führt
Grenzen zu setzen ist ein Zeichen der Selbstfürsorge. Es stärkt unser Selbstwertgefühl, erlaubt uns authentisch zu sein und schenkt uns mehr Selbstbestimmung im Leben. Das wiederum führt zu einem Gefühl der Sicherheit im Sinne von "ich kann mein Leben meistern". Ausserdem hilft ein klares Setzen und Mitteilen eigener Grenzen auch unseren Mitmeschen zur Orientierung.

Grenzen zu setzen bedeutet eigene Bedürfnisse mitzuteilen und das ist ein wichtiger Faktor, der zum eigenen Wohlbefinden beiträgt. In der Positiven Psychologie zum Beispiel, kennt man einerseits das bekannte Wohlfühlglück, also wenn ich mir was Gutes tue, eine Situation geniesse oder mich auf etwas freue. Es gibt allerdings auch das sogenannte Werteglück. Im Gegensatz zum Wohlfühlglück, welches häufig vergänglicher, oberflächlicher und meist von außen kommt, trägt das Werteglück in der Regel zu langfristigerem, tieferem Wohlbefinden bei und kommt mehr von innen (intrinsisch motiviert). Aus diesem Grund ist es wichtig beide Aspekte in den eigenen Alltag mit einzubinden.


Welche persönlichen Grenzen gibt es?
  • Emotionale Grenzen (z.B. Eigene Gefühle)
  • Physische Grenzen (z.B. Eigenen Raum)
  • Intellektuelle Grenzen(z.B. Eigene Gedanken und Meinungen)
  • Soziale Grenzen (z.B. Eigene Freunde, Hobbys und Aktivitäten)
  • Spirituelle Grenzen (z.B. Eigener Glaube oder auch Unglaube)

Wie persönliche Grenzen setzen?
Um zu wissen wo unsere eigenen Grenzen liegen ist es wichtig erst einmal die eigenen Bedürfnisse zu verstehen. Denn wenn wir unsere Bedürfnisse und Werte, dann wissen wir auch, wann diese nicht erfüllt werden. Das wiederum macht es einfacher für uns zu verstehen, wann es gut tut und wichtig ist Grenzen zu setzen.

Persönliche Grenzen mitteilen
Nicht nur, dass wir unsere Grenzen kommunizieren, sondern auch wie wir diese kommunizieren ist wichtig. Du musst dich nicht immer allen erklären, das ist mir wichtig dir mitzuteilen, allerdings hilft es deinen Mitmenschen enorm dich und dein Belangen zu verstehen, wenn du ihnen zumindest kurz erklärst, warum du diese Grenzen setzt. Warum, magst du dich fragen? Wenn wir den Kontext unserer Grenzen mitteilen, dann kann unser Gesprächspartner unsere Beweggründe verstehen und weiss, dass es nicht darum geht ihn zu kränken. Oder andes ausgedrückt, es schränkt den Raum für Fehlinterpretationen unseres Gegenübers enorm ein und unterstützt somit die Beziehung. Ebenso sehr hilft es in „Ich“-Botschaften zu sprechen, schliesslich geht es darum deine Bedürfnisse und Grenzen mitzuteilen, nicht die anderer. Und hast du dich schon mal auf deine Körpersprache geachtet, wenn du deine Grenzen mitgeteilt hast? Wie verhälst du dich dabei? Eine Stimmige Körpersprache unterstützt das Gesagte.

Grenzen respektieren
Grenzen setzen ist für jeden Menschen wichtig und gesund! Ebenso wichtig ist es die Grenzen unserer Mitmenschen respektieren zu können. Es mag uns nicht immer passen, wenn uns andere ihre Grenzen aufzeigen und das ist vollkommen verständlich. Wir haben übrigens auch das Recht es eben nicht fair zu finden oder gar sauer zu werden. Doch das zeigt wie wichtig es ist, dass in solchen Momenten grenzen kommuniziert werden und dass sie gerade dann besonders angebracht sind.

Ich hoffe dir mit diesen Inputs eine gute Grundlage zum Thema "Grenzen setzen" mitgeben zu können. Zum Schluss noch eines. Überlege dir, wie es im Moment mit deinen Grenzen aussieht. Nimm dir bei Gelegenheit einen Moment Zeit und frage dich:

  • Wem gegenüber soll ich klare Grenzen ziehen?
  • Wessen Grenzen soll ich respektvoller achten?
  • In welchen Situationen sollten ich meine Grenzen vielleicht auch wieder öffnen?

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